Die Sachsen sind weise!

Fürst Friedrich III, der „Weise“ von Sachsen war ein mächtiger Fürst der Luthers Wirken und somit die Reformation begünstigte und ihr Gelingen sehr unterstützte. Um seine Biografie zu beschreiben, begeben wir uns ganz in die Nähe – nach Hartenstein zur Prinzenhöhle.

Warum heißt sie so? In den 1450er Jahren gab es den sächsischen Bruderkrieg. Kurfürst Friedrich der Sanftmütige und sein Bruder Herzog Wilhelm kämpften um Gebiete und Machtanspruch. Der Krieg endete unentschieden. Die Brüder versöhnten sich. Es blieb gebietsmäßig fast alles beim Alten, nur die Kassen der Fürsten waren um einiges leerer.

Ein freier Edelknecht, Kunz von Kaufungen, der im Dienst von Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen stand, bekam so die versprochene Bezahlung für seine Dienste nicht. Weil er das Geld mehrmals ohne Erfolg einforderte, entführte er kurzer Hand die Söhne vom Kurfürsten, Prinz Ernst und Prinz Albrecht, aus dem Schloss Altenburg. Auf ihrer Flucht nach Böhmen teilte sich die Gruppe und jeder nahm einen Prinzen mit. So kam Prinz Ernst nach Hartenstein und wurde in der besagten Höhle versteckt.

Die Entführung und die später geplante Gelderpressung misslangen. Kunz von Kaufungen wurde schon im Erzgebirge bei Grünhain gestellt. Prinz Albrecht war als Erster wieder frei. Als die Entführer im Hartensteiner Versteck davon erfuhren, übergaben sie Prinz Ernst dem Amtmann, um ihre Haut zu retten. Der Prinzenraub war somit Geschichte, Kunz von Kaufungen verlor seinen Kopf und die beiden Prinzen wurden später selbst Kurfürst und Herzog. Zuerst regierten sie gemeinsam, teilten aber später ihr Gebiet und begründeten somit die ernstinische und albertinische Linie und legten schon den Grundstein für die späteren Länder Sachsen, Thüringen und Sachsen Anhalt. Natürlich zeugten sie auch Nachwuchs. Der älteste Sohn von Kurfürst Ernst (also von dem der in der Hartensteiner Höhle saß) ist der spätere Kurfürst „Friedrich der Weise“, Luthers Beschützer.

Was ist nun das Besondere an Friedrich?

Den Namen „Der Weise“ trägt er zu Recht. Der sächsische Kurfürst regiert sein Territorium 40 Jahre ohne Krieg. Friedrich findet immer eine diplomatische Lösung. Seine Verzögerungstaktik und die Konfrontationsvermeidung haben Erfolg. Dank des Erzgebirges und seiner Silbervorkommen, von denen er profitiert, ist die Staatskasse auch gut gefüllt. In Kursachsen geht es aufwärts.

Erstaunlicherweise ist Friedrich der Weise trotz seiner Liberalität zu Luther ein treuer Sohn der Papstkirche. Er besucht täglich die Messe, unternimmt eine Pilgerreise nach Jerusalem und sammelt leidenschaftlich Reliquien. Er besaß 19000 Stück. Seine Sammlung soll die Drittgrößte in dieser Zeit gewesen sein und beinhaltete zum Beispiel: Haare von der Jungfrau Maria, Brotkrümel vom letzten Abendmahl, einen Fetzen der Jesuswindel und Stroh aus dem Stall von Bethlehem. (Wer weiß, was man ihm da angedreht hat?)

Die Reliquien liegen in seiner neuen Residenz in Wittenberg. Dort gründet er auch eine Universität und ist somit nicht nur Luthers Herr, sondern wird auch Luthers Arbeitgeber als dieser an die Uni berufen wird. Friedrich empfängt Luther nie persönlich (diese Szene im Lutherfilm ist nicht korrekt). Er ist auch nicht mit Luther einer Meinung und schätzt dessen derbe Aussprache (wie z.B. „schändlicher Scheißbischof“) nicht.

Wie kommt es also, dass Friedrich der Weise trotzdem Luther schützt und so die Reformation erst in Gang kommen lässt?

Sein Cousin Georg der Bärtige, ein Sohn des zweiten entführten Prinzen Albrecht und somit Herzog im albertinischen Sachsen, versucht die Reformation zu verhindern. Er lässt 1523 alle Lutherbibeln konfiszieren. Der Papst versucht Friedrich zu bestechen (er schickt ihm eine gesegnete silberne Rose) und der päpstliche Legat Alexander fordert den Kurfürsten auf, den gebannten Ketzer zum Schweigen zu bringen. Doch Friedrich der Weise hält an Luther fest! Die Historiker haben dieses Verhalten ausreichend zu erklären versucht.

Ich finde folgenden Gedanken noch interessant: Nach Kaiser Maximilian war der sächsische Kurfürst 2. Mann im Reich. Der Kaiser und Friedrich kannten sich gut und vielleicht wegen seiner Weisheit bekam er die Generalstatthalterwürde verliehen. So war er auch nach Maximilians Tod als neuer Kaiser im Gespräch. Wenn man sich das vorstellt… Der Beschützer Luthers sitzt auf dem Kaiserthron. Wie wäre wohl der Reichstag zu Worms ausgegangen? Und was hätte so ein Kaiser für das heilige römische Reich bedeutet?

Auf dem Kaiserthron saßen Staufer, Wittelsbacher, Luxemburger usw, aber nie Wettiner. Friederich hätte unserem sächsischen Herrschaftsgeschlecht diesen Titel holen können, aber so bleiben es die Habsburger bis zur Auflösung des Reichs und wir Sachsen sind nie kaiserlich geworden. Friedrich war eben zu weise, sich diese Amtsbürde in seinem Alter aufzuhalsen.

Als 1525 der Bauernkrieg tobte, lag Friedrich der Weise auf dem Sterbebett. Er meinte noch, vielleicht ist es Gottes Wille, dass der „gemeine Mann“ regiert und zeigte Verständnis für die Anliegen der Bauern. Seine fürstlichen Kollegen und auch Luther sahen das leider anders. Die Niederlage der Bauern war verheerend. So plagte auch Luther dann die Reue. Offiziell hat sich Friedrich nie zur neuen evangelischen Lehre bekannt, aber sein letztes Abendmahl nahm er nach dem neuen Ritus ein. Das kann als Bekenntnis gesehen werden.

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