GOTT lässt Leid zu…

Schon immer hat mich die so oft gestellte sogenannte Theodizee-Frage: „Wenn es einen liebenden GOTT gibt, warum lässt er dann das Leid zu ?“ irgendwie wütend gemacht.

Wohl vor allem deshalb, weil es meistens von Menschen gefragt wird, die von GOTT nichts wissen (wollen) und diese Frage mit einem Anflug von Gehässigkeit und Arroganz einem bekennenden Christen stellen. Und dabei steht nicht das ehrliche Bedürfnis einer Antwort im Vordergrund, sondern die Aussicht auf einen überforderten Gläubigen, der die eigene atheistische Überlegenheit bestätigt. 

Im Laufe des Lebens wird jeder mit dieser Frage konfrontiert, freiwillig aus theologischem Interesse oder unfreiwillig aufgrund eigener Leidenserfahrung. Da gerät das Bild vom „liebenden GOTT“ selbst beim treuesten Christen ordentlich in’s Wanken. Wie soll das auch zusammenpassen, all das Elend auf dieser Welt und ein GOTT der Liebe?

 Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr Antwortansätze fallen mir ein, und auch wenn keiner allein die Frage letzendlich und allumfassend beantwortet, so ergeben sie doch zusammen die Gewissheit:

GOTT liebt, auch wenn er Leid zulässt.

Zum einen hat GOTT uns ja als sein Gegenüber erschaffen, das selbständig denken, fühlen und entscheiden kann. Er wollte kein Spielzeug zum Zeitvertreib, sondern einen echten Partner, der ihm gleicht. Und das ist ein echter Liebesbeweis an uns, denn Liebe zwingt nicht, sondern sie basiert auf Freiwilligkeit.
Und so hat nun jeder Mensch die freie Wahl für oder gegen ein Leben mit GOTT, für oder gegen seine Maßstäbe. Und da wird ja schon die erste Ursache für das Leid in der Welt deutlich: Weil die Menschen sich von GOTT abwenden und nicht nach seinem Willen fragen, treffen sie falsche Entscheidungen und fügen anderen Menschen (und meist auch sich selbst) damit Leid zu. Die erste falsche Entscheidung wurde von Adam und Eva getroffen und seitdem ist nichts mehr so, wie es sich GOTT eigentlich gedacht hatte. Denn das Paradies ist genau das: Die Welt, wie GOTT sie sich gedacht hat und wünscht, wo Menschen im Einklang mit ihm leben und es deshalb auch kein Leid gibt.

Zum anderen ist es ja auch so: Licht als solches existiert ja nur, weil es auch Dunkelheit gibt; Berge nur, weil es auch Ebenen und Täler gibt; Gesundheit nur, weil es auch Krankheit gibt. Positive Dinge sind meist (oder immer?) unabdingbar mit ihrem negativen Gegenstück verknüpft oder begründen sich erst durch dessen Existenz.
Soll heißen: Nur wer Leid kennt oder erlebt hat, kann Freude und Glück als solches wahrnehmen und empfinden.
Das Eine gibt es nicht ohne das Andere.

Und es sind ja gerade die schweren Zeiten, die uns prägen, Einsichten bescheren und uns somit zu dem machen, was wir sind. „Wen GOTT liebt, den züchtigt er.“ (Hebräer 12,6) Das klingt hart, aber es hat sich als wahr herausgestellt. Leidvolle Erfahrungen lehren uns, worauf es im Leben wirklich ankommt, was wichtig ist und woran sich ein glückliches Leben misst. Sie formen unseren Charakter und unser Denken, lassen uns falsche Wege erkennen und bescheren nicht selten einen Richtungswechsel zu GOTT hin, den es sonst nicht gegeben hätte. Ich möchte die schweren Zeiten in meinem Leben nicht missen!  Ich habe GOTT in diesen Phasen oft ganz neu kennengelernt und erfahren, mein Glaube ist durch sie gewachsen, nicht kleiner geworden. Sie haben mich näher zu GOTT gebracht und mein Leben (vielleicht auch meinen Charakter) positiv beeinflusst.

Und so ist auch der letzte Satz des Passionsgedichtes von Karl Gerok (Link) durchaus methaphorisch zu verstehen:
„Der Weg zum Paradiese geht über Golgatha.“

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