Am 10. August 1917 …

… – also heute genau vor 100 Jahren – starb der Obercrinitzer Pfarrer Ernst Müller. Sein Grab ist – zwischen Kirche und Pfarrhaus – erhalten. Sein Enkelsohn Wolf Günther Koch aus Dresden hat mir in diesen Tagen folgenden Text zukommen lassen, dem ich gern viele Leser wünsche. Für mich ist das ein spannender Einblick in die Obercrinitzer Geschichte vor meiner Zeit. Schon damals gab es Zeiten, in denen Obercrinitz, Stangengrün und Obercrinitz zusammengehörten.

 

„Zum 100. Todestag von Paul Emil Ernst Müller, Pfarrer von Obercrinitz von 1912 bis 1917, 10. August 2017
Ernst Müller wurde am 11. 1. 1881 als zweites Kind des evang.-luth. Bezirksschullehrers Christian Friedrich Paul Müller und seiner Ehefrau Johanne Marie geb. Feig in Chemnitz geboren. Er besuchte in Chemnitz die Volksschule und danach bis 1901 das Königliche Gymnasium. Es schloss sich das Studium der Theologie an der Universität Leipzig an. In dieser Zeit wurde er in seinen theologischen Auffassungen besonders von Prof. Ludwig Ihmels geprägt. Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium verließ er 1905 die Universität und leistete seinen Einjährigen-Freiwilligen-Militärdienst ab. 1906 bis Ostern 1907 war er als Hauslehrer bei einer Industriellenfamilie in Lauchhammer tätig. Am 14. Juli wurde Ernst Müller in der Michaeliskirche Hirschfeld bei Zwickau ordiniert und als Pfarrvikar eingewiesen. Nach elfwöchiger Tätigkeit erfolgte die Berufung auf die Vikarsstelle in Schwepnitz in der Oberlausitz, die er ein reichliches Jahr vertretungsweise innehatte. Es folgten der Dienst als Diakonus im vogtländischen Rodewisch und schließlich die Wahl zum Pfarrer von Obercrinitz als Nachfolger von Pfarrer Otto. Am 29. September 1912 erfolgte die Amtseinführung. In seiner „Chronik von Obercrinitz“, die als Kriegstagebuch von August 1914 bis Juni 1917 angelegt ist, schreibt er, sein Hauptbestreben sei „Frieden zu predigen, Frieden zu halten, Frieden zu bringen“. Nur zwei Friedensjahre waren der Kirchgemeinde mit Pfarrer Müller vergönnt und nur fünf Amtsjahre. Müller, der 1916 vertretungsweise auch den Dienst in Stangengrün und Wildenau mit übernommen hatte, verstarb plötzlich und unerwartet bei einer Beerdigung in Stangengrün am 10. August 1917 im Alter von 36 ½ Jahren. Vermutet wird ein Gehirnschlag. Er hinterließ seine Ehefrau, Maria Müller geb. Schimmel und 2 Töchter. Das mit Efeu bewachsenes Grab befindet sich zwischen Pfarrhaus und Kirche in Obercrinitz und ist bis heute von der Kirchgemeinde in gutem Zustand erhalten worden. Während der wenigen Jahre seines Wirkens in der Gemeinde war er zufolge seiner Volksnähe sehr beliebt und es gab noch bis in die 1970er und 1980er Jahre Gemeindeglieder, die sich in Dankbarkeit an Ernst Müller erinnert haben. Die von ihm verfasste handschriftliche „Chronik von Obercrinitz“ gibt einen umfassenden Einblick in die lokalen dörflichen Lebensverhältnisse während des Ersten Weltkrieges, die sich – nach anfänglicher Euphorie – immer mehr verschlechterten und verschärften. Auf Grund seines Todes endet die Chronik im Juni 1917.“

 

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