Mich hat’s auch erwischt – das Schlunz-Fieber …

Ich habe meinen Kindern das erste Buch von Harry Voss „Der Schlunz“ vorgelesen und mich hat’s selbst gepackt und berührt. Wir haben während des Lesens viel miteinander gelacht, aber an einigen Stellen musste ich auch kunstvolle Pausen einlegen, um den Frosch im Hals loszuwerden.

Da wird nun ein verwahrloster kleiner Junge im Wald gefunden und von einer äußerlich vorbildlichen Christenfamilie aufgenommen und er stellt deren Alltags- und Glaubensleben mit vielen Fragen und neuen Ideen auf den Kopf.
Und da ist noch Jule, die Schwester des Familienoberhauptes der christlichen Vorzeigefamilie. Ihr Bruder sagt von ihr, dass sie nicht zum Gottesdienst geht, nicht betet, nichts mit Gott und dem christlichen Glauben zu tun haben will.

Ehrlich und missionarisch wie Papa’s Kinder sind, fragen sie natürlich prompt bei Jule nach, ob sie weiß, dass Gott ihr Vater ist.
Jule weiß es und die Kinder fragen weiter, warum sie dann nicht zum Vater umkehrt. Woher die Kinder wissen, dass sie nicht umkehrt, fragt Jule. Von ihrem Vater natürlich, von Jules Bruder, also der, der sich so nah bei Gott fühlt und mit seiner Familie ein wirklich christliches Leben führt.

Was Jule darauf geantwortet hat, geht ins Herz – in meins zumindest auf direktem Weg.
Da geht es um das Gleichnis mit dem verlorenen Sohn… (schon oft gehört, aber nicht in dieser Version)
Jules Bruder ist ja der daheim gebliebene Sohn und sie ist der davongelaufene.
Und der davongelaufene Sohn hört vom anderen immer wieder wie schlimm es ist, dass er weggegangen ist, wie sehr der Vater zu Hause die Regeln überwacht und wie schlimm es ist, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden.
Die Kinder rufen dazwischen, dass das doch gar nicht stimmt. So streng ist der Vater doch gar nicht. Aber Jule fragt, woher die Söhne das wissen sollen, die schon lang nicht mehr zuhause waren. Sie müssen doch glauben, was ihnen andere über den Vater erzählen. Sie müssen doch glauben, dass ein schreckliches Gericht auf sie wartet, wenn sie nicht augenblicklich heimgehen. Doch wer immer wieder diese Geschichten vom Vater hört, geht er wirklich gern heim?

Die Antwort von Jule geht noch weiter, denn da ist noch der brave und angepasste Sohn zu Hause, der nie fort war. Der nicht weiß, wie sich das anfühlt, wenn man vom Vater getrennt ist. Der könnte ja eigentlich feiern und fröhlich sein, weil er so nah beim Vater ist. Aber nein, er behält all die anderen Söhne im Blick und prüft, ob sie auch ja so brav sind wie er selbst. Und wehe, einer kommt nicht so regelmäßig in den Gottesdienst oder liest nur selten in der Bibel… Dann fragt sich der vorbildliche Sohn: Kann der Vater den anderen wirklich genauso lieben? Und dann kommt die Eifersucht. Da macht es sich jemand viel, viel leichter und es geht ihm trotzdem gut und er hat trotzdem eine Beziehung zum Vater?
Jule meint, so ein prüfender, neidischer Sohn ist ärmer dran als der, der weggegangen ist.

Berührt hat mich diese Stelle, weil ich mich sowohl in Jule, als auch in ihrem Bruder wiederfinde: Wenn ich mein Christsein hier und da anders gestalte als der, der gerade neben mir in der Kirchenbank sitzt oder als der, der mir gerade von seinem Glaubensleben erzählt, da regt sich in mir leise diese Stimme … die der daheimgebliebenen Söhne: Gehörst du wirklich zum Vater, auch wenn du nicht ganz so bist wie dein braver Bruder?
Andererseits muss ich zugeben, dass ich in meinem Leben auch schon öfters ein daheimgebliebener Sohn war, der andere geprüft und beurteilt hat.

Na, Lust auf „Schlunz“ bekommen? Viele Kinder verschlingen die 7 Bände geradezu. Vielleicht sollten wir Erwachsenen es ihnen gleich tun.

Schlunzige Grüße,
eure Yvonne

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