{"id":9983,"date":"2018-01-11T17:59:27","date_gmt":"2018-01-11T16:59:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/?p=9983"},"modified":"2023-01-02T10:36:05","modified_gmt":"2023-01-02T09:36:05","slug":"glaube-nicht-alles-was-du-denkst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/2018\/01\/glaube-nicht-alles-was-du-denkst\/","title":{"rendered":"Glaube nicht alles, was du denkst!"},"content":{"rendered":"<p>Wie bin ich eigentlich so wirklich in mir drin? &nbsp;Welche Charaktereigenschaften und Gef\u00fchlswelten machen mich aus? Und ist das ok so oder h\u00e4tte ich es eigentlich lieber anders?<!--more--><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Wie gro\u00df ist der Unterschied zwischen dem, was ich bin und f\u00fchle und dem, was ich gerne w\u00e4re und f\u00fchlen w\u00fcrde?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">Ich bemerke in letzter Zeit bei mir selbst und anderen, wie sehr uns dieser Graben zwischen Wunschvorstellung vom eigenen Ich und der Wirklichkeit belastet. Und wieviel Kraft wir aufwenden, um ihn zu \u00fcberwinden, sprich uns anstrengen so zu sein, wie wir es f\u00fcr gut und erstrebenswert halten. Und es stellt sich mir &nbsp;immer mehr die Frage: Nach welchen idealen Eigenschaften genau streben wir da und vor allem: Wer hat diese Ideale aufgestellt, denen wir so unbedingt nahekommen wollen?<\/span><br \/>\nIch spreche hier von Menschen aus christlichen Gemeinden. &nbsp;Die meisten, die ich kenne, bem\u00fchen sich freundlich, sanftm\u00fctig, hilfsbereit und gastfreundlich zu sein, in der Gemeinde mitzuarbeiten, Nettigkeiten zu verteilen und \u00fcberhaupt diesem Ideal eines frommen Menschen m\u00f6glichst nahe zu kommen (eventuell auffallende Diskrepanzen zu Schreibenden sind rein zuf\u00e4llig und keinesfalls beabsichtigt!). Lange dachte ich auch, das ist es, was uns Christen ausmacht und was GOTT von uns m\u00f6chte: Lieb und fromm und flei\u00dfig sein! Es hat ja auch niemand etwas anderes gesagt. Und so habe ich viiiiiiel Kraft investiert um mich zu optimieren. Die Vorraussetzungen waren recht schlecht und ich hatte wohl deshalb nur sehr m\u00e4\u00dfigen Erfolg. Es gelang mir einfach nicht, so zu sein, wie ich gerne wollte und ich es f\u00fcr richtig hielt! &nbsp;Allein ich selbst stand mir im Weg, diesem Ideal nahezukommen.<\/p>\n<p>Aber woher stammt eigentlich dieses Vorbild, dem alle so nacheifern? Ich wollte wissen, wo diese Person(en) vorkommen und wer sie uns als Vorbild gegeben hat. Also h<span style=\"line-height: 1.5;\">abe mich auf die Suche gemacht -und bin nicht f\u00fcndig geworden. Weder in der Bibel noch in den Biografien von Menschen, die Jesus nachfolgten. Ich habe nicht einen einzigen Menschen in der Bibel gefunden, der mit den oben genannten Eigenschaften beschrieben wird und \u00fcber den GOTT sagt: So ist es gut! Und ehrlich gesagt hat mich das enorm ersch\u00fcttert und beruhigt zugleich. Es gibt \u00fcberhaupt keine Menschen, die so waren und weder GOTT noch JESUS haben je erw\u00e4hnt, dass es in irgendeiner Weise wichtig sei, diesem Bild gerecht zu werden!<\/span><\/p>\n<p>Ich treffe so viele Leute, die enorm viel ihrer Kraft, Nerven und Zeit dazu verwenden, anders zu sein als sie sich gerade wirklich f\u00fchlen oder gar sind. Geduldiger, freundlicher, hilfsbereiter und weniger aufbrausend oder genervt, eben &nbsp;sch\u00f6n &#8220;christlich&#8221;. Und es macht mich mit der Zeit immer trauriger und w\u00fctender, weil so viele in diesen irrwitzigen Anspr\u00fcchen gefangen sind. Niemand scheint diese vermeintlich frommen Anspr\u00fcche zu hinterfragen und immer mehr werden innerlich krank und traurig, weil sie st\u00e4ndig gegen sich selbst, ihr eigenes Ich ank\u00e4mpfen, in der Annahme, es sei nicht gut so wie es ist und m\u00fcsse dringend &#8220;christlich&#8221; oder menschlich optimiert werden. Aber keiner kann sein Innerstes wirklich \u00e4ndern oder Gef\u00fchlen etwas vorschreiben. Sp\u00e4testens zuhause in den eigenen vier W\u00e4nden ist Verstellen nicht dauerhaft m\u00f6glich. Versagen, Frust und Selbstzweifel oder -hass sind vorprogrammiert. Nach au\u00dfen dringt davon meist nichts.<\/p>\n<p>Wieviel Echtheit, Gelassenheit, Fr\u00f6hlichkeit und bunte Vielfalt geht verloren, weil alle stets bem\u00fcht und freundlich sind, statt sie selbst und echt zu sein. Ich k\u00f6nnte verr\u00fcckt werden, wenn ich dar\u00fcber nachdenke! Und ich bin mir mittlerweile sicher, dass GOTT sich das keinesfalls so gedacht hat. Wieviel M\u00fche, Kreativit\u00e4t und Leben hat er in jeden einzelnen gesteckt, um so individuelle, vielf\u00e4ltig begabte und auch begrenzte Menschen zu erschaffen und wir? &nbsp;Wollen alle irgendwie anders sein. Aber es ist nicht nur eine Kraftverschwendung, es macht krank und ist letztlich auch eine Kritik am Sch\u00f6pfer.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich heisst das nicht, dass jeder ungebremst und unreflektiert einfach handeln sollte. Ein Miteinander ist auf R\u00fccksichtnahme und Kompromisse angewiesen. Aber wie befreiend w\u00e4re es, wenn wir entdecken k\u00f6nnen, wer wir sind, wie GOTT uns gemacht und was er sich dabei gedacht hat. Mit allen Begabungen und Begrenzungen. Und wem es dann gelingt, ein &#8220;Ja&#8221; zu seinem eigenen Ich zu finden, der wird auch mit einem weiten Herzen die Gaben und Fehler seiner Mitmenschen wahrnehmen. Wir k\u00f6nnten uns erg\u00e4nzen und aneinander wachsen und w\u00fcrden uns mit unseren Fehlern angenommen wissen.<\/p>\n<p>Selbst JESUS war f\u00fcr mein Daf\u00fcrhalten kein idealer Frommer. Er hat die Menschen geliebt, Kranke geheilt und getr\u00f6stet, aber er war auch aufbrausend, wenn ihn etwas w\u00fctend machte, hat oft unerwartet und f\u00fcr die Menschen unangemessen reagiert, ungebremst die Wahrheit gesagt und er war gern und oft alleine. Ein recht seltsamer Zeitgenosse, der in unseren christlichen Kreisen wohl oft unangenehm auffallen w\u00fcrde. Sollte man mal dr\u00fcber nachdenken. Er hat weder G\u00e4ste bewirtet, noch Gemeindearbeit geleistet oder war sozial engagiert. ER hat die Menschen aber bedingungslos geliebt und viele, die IHM begegnet sind, durften das sp\u00fcren und erleben. ER hat gesagt, was wichtig und richtig war. Nicht mehr und nicht weniger. F\u00fcr IHN war nicht wichtig, welche Tugenden und feinen Charakterz\u00fcge ein Mensch besa\u00df, sondern ob er bereit war, IHM zu folgen und an IHN zu glauben. ER hat in jedem den gleichen Wert gesehen.<\/p>\n<p>So ist es nun f\u00fcrwahr eine Wohltat, einen sanftm\u00fctigen Menschen um sich zu haben, aber es ist genauso gut und wichtig, dass es energische und kritische Menschen gibt. Ich bewundere Leute, die gerne viele G\u00e4ste und stets ein offenes Haus haben, aber es ist genauso wichtig, einen R\u00fcckzugsort f\u00fcr sich und seine Familie und damit gesch\u00fctzten Raum f\u00fcr den Einzelnen mit seinen Bed\u00fcrfnissen und f\u00fcr Familienleben mit Konflikten und N\u00e4he zu schaffen. Sozial veranlagte Menschen sind ein Segen, aber auch der Einzelg\u00e4nger, der viel nachdenkt und reflektiert, ist ein gro\u00dfer Schatz f\u00fcr jede Gemeinschaft, wenn er sich denn angenommen f\u00fchlt und geh\u00f6rt wird. Das eine ist nicht besser oder fr\u00f6mmer als das andere. Ich frage mich wirklich, wie diese einseitige Sicht der Dinge, wie ich sie so oft erlebe, sich so \u00fcber Jahrhunderte festsetzten und weiterleben konnte. Ist denn keinem aufgefallen, wie Unrecht man damit vielen Menschen, die nicht in&#8217;s Bild passen, und deren Sch\u00f6pfer tut? Wieviel Menschen sind schon an dem frommen Bild gescheitert und haben frustriert und entt\u00e4uscht \u00fcber sich selbst oder andere Christen aufgeh\u00f6rt, nach GOTT zu suchen?<\/p>\n<p>Wir wollen unseren Kindern mitgeben, dass sie toll sind, genauso wie sie sind, weil es ja auch stimmt. Wie sollen sie aber lernen, mit ihren Eigenheiten und denen der anderen umzugehen, wenn sie zuhause und in der Gemeinde nur fr\u00f6mmelnde Christen erleben, die jegliche Abweichung von der selbstaufgestellten Norm sowohl bei sich selbst als auch bei anderen tunlichst vermeiden wollen und als Versagen empfinden? Wenn der der Frommste ist, der am meisten tut, redet und zu sehen ist. Es bereitet mir gro\u00dfe Sorgen zu sehen, in welche Vorstellungen vom Christsein die n\u00e4chste Generation hineinw\u00e4chst. Wiewenig Raum f\u00fcr Entfaltung und Freiheit vielen Kindern und Jugendlichen in frommen Familien gew\u00e4hrt wird. Der &#8220;christliche &#8221; Weg ist doch recht vorherbestimmt, was man zu tun und zu lassen hat, wie man sein soll und wie nicht, aber dem kann &nbsp;unm\u00f6glich jeder gerechtwerden. &nbsp;Und soll es auch nicht!<\/p>\n<p>Wenn sich in unseren K\u00f6pfen, Gedanken, Reden und Handeln nichts \u00e4ndert, werden unsere Kinder genau wie wir an diesen frommen Anspr\u00fcchen scheitern, sich als Versager und unzureichend f\u00fchlen und nie sehen k\u00f6nnen, was wir in ihnen sehen: wundervolle, einzigartige Gesch\u00f6pfe, perfekt in ihrer Unperfektheit. Und genau das sind wir selber doch auch!<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor ein paar Tagen habe ich reichlich genervt zu meiner Tochter gesagt: &#8220;Jetzt sei doch mal nicht so schlecht gelaunt!&#8221; &nbsp;Sie antwortete trotzig: &#8220;Ich kann so sein, wie ich will!&#8221; Da war ich pl\u00f6tzlich so froh und gl\u00fccklich, musste l\u00e4cheln und hab gedacht: &#8216;Ja, GOTT sei Dank, da hast du Recht!&#8217;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Bildquelle: istock.com \/ Cranach<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bin ich eigentlich so wirklich in mir drin? &nbsp;Welche Charaktereigenschaften und Gef\u00fchlswelten machen mich aus? 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