{"id":9574,"date":"2017-10-21T21:31:39","date_gmt":"2017-10-21T19:31:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/?p=9574"},"modified":"2023-01-02T10:36:35","modified_gmt":"2023-01-02T09:36:35","slug":"ja-so-warns-die-alten-rittersleut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/2017\/10\/ja-so-warns-die-alten-rittersleut\/","title":{"rendered":"Ja, so warn&#8217;s die alten Rittersleut&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>In mein<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 alignleft\" src=\"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Luther2017Logo_RGB.jpg\" sizes=\"(max-width: 173px) 100vw, 173px\" srcset=\"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Luther2017Logo_RGB.jpg 567w, https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Luther2017Logo_RGB-195x300.jpg 195w\" alt=\"\" width=\"94\" height=\"145\" \/>em letzten Beitrag habe ich \u00fcber \u201eFriedrich der Weise\u201c geschrieben, Luthers\u00a0 Landesherr, Arbeitgeber und Besch\u00fctzer. In diesem Beitrag soll es um einen anderen Anh\u00e4nger Martin Luthers gehen, einen Ritter aus dem niederen Adel.<!--more-->Nun ist die Frage, was hat Luther denn mit Rittern zu tun? Luther hatte eigentlich mit den Rittern nichts zu tun, aber die Ritter mit Luther. Bevor ich jetzt diesen Zusammenhang und die daraus resultierende Geschichte erz\u00e4hle &#8211; noch ein paar Worte zu den Rittern allgemein: Eigentlich ist ja durch B\u00fccher, Film und Fernsehen alles bekannt. Aber zum besseren Verst\u00e4ndnis folgt eine kurze \u00dcbersicht der Entwicklung bis in Luthers Zeit: Als die neuen mittelalterlichen Reiche England, Frankreich und das deutsche, sogenannte heilige r\u00f6mische Reich entstanden, waren sie auch schon wieder von au\u00dfen bedroht. Von Afrika aus eroberten die Araber die Iberische Halbinsel (Spanien als Ganzes gab es noch nicht) und bedrohten Frankreich. Aus Osten fielen die wilden Horden der Ungarn in die sp\u00e4teren deutschen Gebiete ein und aus dem Norden brach der gro\u00dfe Wikinger Sturm los, letzter Teil der V\u00f6lkerwanderung. Zur Abwehr dieser Gefahren brauchte es neue schlagkr\u00e4ftige K\u00e4mpfer und die wurden als gut gepanzerte Reiter, als geschulte Nahk\u00e4mpfer gebildet. Diese hatten dem K\u00f6nig, Kaiser und F\u00fcrsten Kriegsdienst zu leisten und bekamen daf\u00fcr Land, das sogenannte Lehn. Die Einnahmen daraus ern\u00e4hrten sie und sorgten f\u00fcr die Ausr\u00fcstung. Bauern die auf dem besagten Land lebten waren dem Belehnten dann Untertan und mussten ordentliche Abgaben leisten. Aus diesen Panzerreitern entwickelte sich dann der Ritter so wie er allgemein bekannt ist.<\/p>\n<p>In der Zeit der Kreuzz\u00fcge wurde das Image des Ritters noch einmal aufgewertet. Nun war er auch ein Streiter f\u00fcr Gott und den rechten Glauben. Allgemein sollte er sowieso der edle K\u00e4mpfer f\u00fcr Gerechtigkeit und Besch\u00fctzer der Schwachen sein. Die Realit\u00e4t sah oft anders aus. Im 12. und 13. Jhd. erreichte das Rittertum seine Bl\u00fctezeit. Doch schon im 14. Jhd. begann der Niedergang. Bessere Fernwaffen wie der englische Langbogen und jetzt auch die Feuerwaffen sowie die immer besser werdende Infanterie nahmen den Rittern ihren ersten Platz auf dem Schlachtfeld ab. Die eigentliche Gefahr war aber der wirtschaftliche Abstieg.\u00a0 W\u00e4hrend die Ritter durch Seuchen, Preisverfall und Klimaver\u00e4nderung aus ihren L\u00e4ndereien immer weniger Gewinne erzielten, waren die Stadtb\u00fcrger nun die wirklich Reichen. Jetzt kommt es zu den sogenannten Raubrittern. Sie \u00fcberfallen unter dem Deckmantel der Fehde die Kaufmannsz\u00fcge der reichen St\u00e4dter und bessern damit ihre Kassen auf. Zur Zeit Kaiser Maximilians, der auch der letzte Ritter genannt wird, erlebt das Ritter- und Turnierwesen nochmal einen kurzen H\u00f6hepunkt. Doch zu ihrer alten Bedeutung finden sie nie zur\u00fcck. Um ihren Statusverlust entgegen zu wirken, schlossen sich im deutschen Reich 600 Ritter zu einem Adelsbund zusammen, den sogenannten Reichsrittern. Zu ihrem Anf\u00fchrer w\u00e4hlten sie Franz von Sickingen und nun sind wir bei dem Ritter angelangt der mit Martin Luther in Verbindung\u00a0 steht.<\/p>\n<p>Auf der Ebernburg, dem Stammsitz von Sickingen, ereignete sich 1521 kurz nach Ostern eine interessante Episode. Die Burg ist einen Tagesritt von Worms entfernt wo ja Luther bekanntlich vor dem Kaiser\u00a0 stehen wird, aber genau das will dieser noch im letzten Moment\u00a0 verhindern. Der neue 21j\u00e4hrige Kaiser Karl V ist n\u00e4mlich in der Zwickm\u00fchle. Die p\u00e4pstlichen Gesandten die auf dem Reichstag sind, werden auf eine Verurteilung Luthers dr\u00e4ngen, aber von den anwesenden Reichsst\u00e4nden sind viele f\u00fcr Luthers Reformen. Luthers Reise nach Worms gleicht eher einem Triumphzug als einen Bu\u00dfgang. So unternimmt der Kaiser einen letzten Versuch, ihn trotz seiner Vorladung aufzuhalten. Er schickt seinen Beichtvater Jean Glapion auf die Ebernburg. Dort befinden sich schon Ulrich von Hutten und Pfarrer Martin Bucer unter Sickingens Schutz, beide Anh\u00e4nger Luthers und von der Bannandrohungsbulle mitbedroht. Hutten, Bucer und Glapion diskutieren nun \u00fcber Luther. Bucer der bestimmt um Martin Luthers Leben f\u00fcrchtet, will ihn wohl auch lieber in Sicherheit wissen. Er l\u00e4sst deshalb Luther in der Diskussion so aussehen als w\u00e4re er nur an einer Kirchenreform innerhalb des Reiches interessiert und sonst fest in der traditionellen Kirche verankert. Glapion ist selbst einer innerkirchlichen Reform nicht abgeneigt, \u00fcberzeugt Hutten und Bucer davon, dass Luther einzelne Punkte seiner Schriften widerrufen soll um wenigstens Teile der Reform vor einem pauschalen Verbot zu retten, am besten gleich hier auf der Ebernburg wo Luther sicherer ist als in Worms.<\/p>\n<p>Bucer reitet nun los um Luther abzufangen. Am 14. April erwischt er ihn in Oppenheim bei Frankfurt und unterbreitet ihn Glapions Vorschlag. Luther lehnt ab. Sein freies Geleit l\u00e4uft in zwei Tagen ab. Kommt er nicht rechtzeitig in Worms an, verspielt er sein Leben. Es wird berichtet, dass seine Gegner genau darauf hoffen. H\u00e4tte sein freies Geleit auf der Ebernburg nicht mehr gegolten, h\u00e4tte man versuchen k\u00f6nnen, ihn dort als gew\u00f6hnlichen Ketzer zu verhaften. Jetzt kann man nur spekulieren, ob Glapion ein doppeltes Spiel getrieben hat, ob der Burgherr Sickingen eine Verhaftung \u00fcberhaupt zugelassen h\u00e4tte und Luther dann vor einem Inquisitionsgericht gelandet w\u00e4re, denn widerrufen h\u00e4tte er bestimmt nichts. Wir wissen es kam anders. Luther best\u00e4tigte vor dem Kaiser sein Werk und er\u00f6ffnet nun die Reformation im vollen Umfang. Nachdem die Reichsacht \u00fcber ihn verh\u00e4ngt wird, bot ihm Sickingen erneut Asyl auf der Ebernburg an. Auch dieses lehnt Luther ab. Klar, dass er lieber den Schutz seines Landesherrn auf der Wartburg annimmt. \u00dcber seine vorget\u00e4uschte Entf\u00fchrung ist er vor seiner Abreise aus Worms eingeweiht worden. Doch Luther ist Franz\u00a0 von Sickingen f\u00fcr seine Hilfsangebote sehr dankbar. Er widmet ihm seine Schrift \u201e Von der Beichte\u201c und nennt ihn seinen \u201ebesten Freund und Patron\u201c der \u201enicht mit Brief und Worten, sondern mit der Tat diejenigen von der reformatorischen Erneuerung \u00fcberzeugen wird, die noch abseits stehen\u201c (S.37\/38, Quelle s.u.). Einige von Luthers Anh\u00e4nger haben den Schutz der Ebernburg gern in Anspruch genommen. Das Bild der Ebernburg \u201eals Herberge der Gerechtigkeit\u201c, als Sammelbecken verfolgter Reformatoren, die von dort durch ihre Schriften und die Schlagkraft ihres Burgherrn Luthers Sache vorangetrieben haben, ging in die Geschichte ein.<\/p>\n<p>Franz von Sickingen stellte sich nicht aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden auf die Seite der Reformation aber er teilte manche Forderungen: eine Nationalkirche, die kein Geld mehr an den Papst f\u00fcr die Besetzung ihrer \u00c4mter abf\u00fchrte; eine weltliche Gerichtsbarkeit, die nicht l\u00e4nger der geistlichen Gerichtsbarkeit Roms unterstellt war; ein Kaiser als Zentralgewalt im Reich, der Macht, Eink\u00fcnfte und Besitz der geistlichen F\u00fcrsten einschr\u00e4nkte. Diese Forderungen deckten sich teilweise mit Luthers Schrift \u201e An den christlichen Adel deutscher Nation\u201c. Hier f\u00fchlten sich vor allen die Ritter aus dem niederen Adel angesprochen und aufgefordert die Reform in die eigene Hand zu nehmen. Wie am Anfang erw\u00e4hnt, befinden sie sich in einer Krise. Hutten (der auch Ritter war) schlug vor, mit dem Geld das man sich von der Kirche zur\u00fcckholen k\u00f6nnte, verarmter Ritter in einem Reichsheer zu besch\u00e4ftigen und zu bezahlen. Sickingen schrieb an seine Standesgenossen, dass die Reformation eine Bewegung sei die lediglich den alten Zustand wiederherstellen will mit dem gewohnten Stand der Ritter. Es ist erstaunlich wie die Menschen Ereignisse f\u00fcr ihre Sache nutzen und verdrehen.<\/p>\n<p>Es blieb aber nicht nur bei Worten. 1522 zettelten Sickingen und Hutten den \u201ePfaffen-\u201c auch genannt \u201eRitterkrieg\u201c an. Das Ziel war das geistliche F\u00fcrstentum Trier und der geistliche Kurf\u00fcrst, Erzbischof Richard von Greifenglau. Franz von Sickingen wollte ihn absetzen und an seine Stelle treten, Trier in ein weltliches F\u00fcrstentum umwandeln und von dort aus die Reformation vorantreiben. Es kam also zur Belagerung\u00a0 von Trier. Die Stadt hielt aber trotz einem siebent\u00e4gigen Beschuss stand. Sickingen zog sich erst einmal auf seine Burg Nanstein zur\u00fcck. Andere Ritter dr\u00fcckten sich um eine Entscheidung f\u00fcr ihn, obwohl der gebildete von Hutten alle propagandistischen F\u00e4den zog. Sie wollten wohl abwarten wie sich die anderen F\u00fcrsten verhalten w\u00fcrden. Die gingen im Jahr darauf zum Gegenangriff\u00a0 \u00fcber. Der Erzbischof von Trier, Landgraf Philipp von Hessen und der Kurf\u00fcrst Ludwig von der Pfalz r\u00fcckten mit \u00fcber 30000 Mann und neuer schwerer Artillerie vor Burg Nanstein an. Bei dem Beschuss wurde Franz von Sickingen schwer verletzt. Er starb\u00a0 kurz nach \u00dcbergabe der Burg am 7. Mai 1523. Ulrich von Hutten entkam, floh in die Schweiz, starb aber kurz darauf an Syphilis in einem katholischen Pfarrhaus. Mit Franz von Sickingen trat die Ritterschaft als politische Gr\u00f6\u00dfe von der B\u00fchne der Macht ab.<\/p>\n<p>Luther schrieb als er von Sickingens Tod erfuhr: \u201e Gott ist doch ein gerechter und wunderbarer Meister. Er will dem Evangelium nicht mit dem Schwerte helfen\u201c.<\/p>\n<p>Quelle: Geschichte 5\/2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinem letzten Beitrag habe ich \u00fcber \u201eFriedrich der Weise\u201c geschrieben, Luthers\u00a0 Landesherr, Arbeitgeber und Besch\u00fctzer. 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