{"id":9247,"date":"2017-05-30T09:52:42","date_gmt":"2017-05-30T07:52:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/?p=9247"},"modified":"2023-01-02T10:37:24","modified_gmt":"2023-01-02T09:37:24","slug":"luther-in-rom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/2017\/05\/luther-in-rom\/","title":{"rendered":"Luther in Rom"},"content":{"rendered":"<p>In den <a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" href=\"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=9247&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 alignleft\" src=\"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Luther2017Logo_RGB.jpg\" sizes=\"(max-width: 173px) 100vw, 173px\" srcset=\"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Luther2017Logo_RGB.jpg 567w, https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Luther2017Logo_RGB-195x300.jpg 195w\" alt=\"\" width=\"79\" height=\"121\" \/><\/a>vorletzten Beitr\u00e4gen ging es um die P\u00e4pste vor der Reformation. Zu Luthers Zeit hatten die sich ja gerade in Rom wieder fest etabliert. Einmal musste auch Luther (oder da noch Martin Luder) den Weg nach Rom antreten. Diesen Besuch schauen wir uns in diesem Beitrag etwas genauer an.<!--more--><\/p>\n<p>Zuerst stellt sich die Frage, wie kommt der einfache Augustinerm\u00f6nch Martin Luder, der f\u00fcnf Jahre im Kloster, noch kein Universit\u00e4tsprofessor und noch lange kein Reformator war, nach Rom? Eine Reform war im weitesten Sinne der Grund daf\u00fcr, dass Martin Luder von Erfurt nach Rom \u201elatschen\u201c musste. Der Ordensgeneral der Augustinereremiten in Rom, Egidio da Viterbo, hatte sie in Gang gesetzt. Diese Reform sah vor, dass die M\u00f6nche sich nur noch innerhalb der Klostermauer aufhalten durften, auf jeglichen pers\u00f6nlichen Besitz verzichten, eine einheitliche Kutte tragen und jeglichen Kontakt zu Frauen abbrechen sollten.<\/p>\n<p>Die Folge war, dass die Mehrzahl der 29 Augustinerkl\u00f6ster in der \u201eProvinz Saxonia\u201c diese Reform ablehnten und eine Abschw\u00e4chung forderten. Doch es gab auch Hardliner die dies bef\u00fcrworteten. Das Erfurter Kloster, in das Martin Luder eingetreten war, geh\u00f6rte neben sechs anderen dazu. Sie erhofften sich Unterst\u00fctzung vom Papst gegen die Aufweichung der strengen Regeln.<\/p>\n<p>So wurde ein \u00e4lterer Bruder, der flie\u00dfend italienisch sprach, ausgew\u00e4hlt und sollte das Anliegen in Rom vorbringen. Da es zu gef\u00e4hrlich und zu beschwerlich gewesen w\u00e4re, allein nach Rom zu gehen, brauchte er eine Begleitung. Die Wahl fiel auf den 27j\u00e4hrigen Martin Luder. Gr\u00fcnde daf\u00fcr k\u00f6nnen wohl nur spekuliert werden: War es, weil ein junger Begleiter gebraucht wurde oder weil \u00a0er schon akademische Grade hatte oder weil er in seinem Kloster zu viel gr\u00fcbelte\u2026 Egal warum, er musste die 1500 km mitgehen. Er wird es nicht ungern getan haben, denn Rom war das Zentrum der Christenheit und Luder st\u00e4ndig in Angst um sein Seelenheil. So eine Pilgerreise versprach da einiges.<\/p>\n<p>Der Fu\u00dfweg erst durch halb Deutschland, die Schweiz und die Lombardei war sehr anstrengend. Als sie endlich die Silhouette von Rom erblicken, wirft sich Martin Luder zu Boden und ruft aus:\u201c Sei gegr\u00fc\u00dft, du heiliges Rom, ja rechtschaffen heilig, von den heiligen M\u00e4rtyrern und ihrem Blut das vergossen ist!\u201c Es ist das Jahr 1511. In zehn Jahren wird er Luther hei\u00dfen und anders reden, zum Gl\u00fcck nicht in Rom.<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt zu dem die beiden M\u00f6nche in Rom eintrafen, war ein sehr ung\u00fcnstiger, denn Papst Julius f\u00fchrte wieder Krieg und alle hohen W\u00fcrdentr\u00e4ger begleiteten ihn, auch Egidio da Viterbo der Ordensgeneral der Augustiner. Also hie\u00df es f\u00fcr die zwei Sachsen erst einmal warten. Martin Luder war jetzt Pilger und Tourist. Die Begeisterung f\u00fcr die Stadt wird schnell gewichen sein. Denn Rom war zu der Zeit eine Gro\u00dfbaustelle und eine Kloake &#8211;\u00a0 um und in den antiken Ruinen weideten Rinder.<\/p>\n<p>An Sehensw\u00fcrdigkeiten war Luder aber kaum interessiert, es ging ihm eher um sein Seelenheil. Er verbrachte viel Zeit im Gebet in den Kirchen Roms. Es schockierte ihn aber sehr, wie mangelhaft die italienischen Geistlichen ausgebildeten waren und mit welcher Hast und Eile sie die Messe zelebrierten. Oftmals stand der deutsche M\u00f6nch den italienischen Klerikern im Weg, die ihn dann mit einem \u201ePassa, Passa!\u201c (einem \u201eWeg, Davon!\u201c) von den Alt\u00e4ren vertrieben. An allen Ecken und Enden florierte des Papstes Tr\u00f6delmarkt: Neben Heiligenbildern, Rosenkr\u00e4nzen oder Reliquien konnten Pilger an langen Tischen Abl\u00e4sse f\u00fcr Betrug, Mord und Ehebruch erwerben. Doch noch ist Luder nicht dar\u00fcber entsetzt. Er l\u00e4sst dort auch eine Menge Geld. Wer wei\u00df, wo er es her hat. Im Lutherfilm mit Josef Fines ist das sch\u00f6n dargestellt. Bei der Gro\u00dfen Wallfahrt musste er sieben gro\u00dfe Kirchen an einem Tag aufsuchen. Das war wegen der gro\u00dfen Distanz nicht einfach. Eine davon ist die \u00e4lteste Papstkirche Roms mit der Heiligen Treppe. (Die Treppe ist angeblich Jesus im Palast von Pilatus hinaufgestiegen und sie wurde sp\u00e4ter nach Rom geschafft). Dort rutschen auch heute noch Pilger auf Knien hinauf, auf jeder Stufe wird ein \u201eVaterunser\u201c gebetet. Zuletzt musste Luder zu einer Baustelle pilgern \u2013 zum Petersdom und auch hier spendet er. Er ist noch lange kein Reformator.<\/p>\n<p>Nach vier Wochen des Wartens waren Papst u. Gefolge wieder in Rom und sie konnten ihr Anliegen dem Ordensgeneral vorbringen. Doch dieser lehnte es ab sich noch direkt an den Heiligen Vater wenden zu d\u00fcrfen. Der Versuch beim Kirchenoberhaupt pers\u00f6nlich Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre harte Linie zu bekommen, war also gescheitert und sie konnten nur mit ein bisschen R\u00fcckenwind den Heimweg antreten: Bei dem Streit um die Auslegung der Ordensregel setzten sich die sieben Hardlinerkl\u00f6ster durch.<\/p>\n<p>Martin Luder war nach seiner Romreise auf die Gegenseite gewechselt. Dies soll einer der Gr\u00fcnde gewesen sein, warum er nach Wittenberg kam. Doch die Rompilgerreise hat noch keinen \u201eMartin Luther\u201c und noch keinen Reformator hervorgebracht. Als solcher sollte er noch einmal nach Rom, was ihm dank seines Landesherrn \u201eFriedrich des Wei\u00dfen\u201c erspart blieb, denn von dieser Reise w\u00e4re er wohl nicht mehr zur\u00fcckgekehrt. Er hat sp\u00e4ter gesagt:\u201eIch habe mit eigenen Augen gesehen, dass Rom der Sitz des Teufels und der Papst \u00e4rger als der T\u00fcrke ist.\u201c Doch das wird er r\u00fcckblickend in seinen Glaubenskampf eingeordnet haben. Den Anlass f\u00fcr die 95 Thesen hatte er wohl eher im Deutschen Reich. Doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p><em>Quelle: P.M.HISTORY Juni 2005<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den vorletzten Beitr\u00e4gen ging es um die P\u00e4pste vor der Reformation. Zu Luthers Zeit hatten die sich ja gerade in Rom wieder fest etabliert. 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