{"id":8480,"date":"2016-11-18T10:32:51","date_gmt":"2016-11-18T09:32:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/?p=8480"},"modified":"2023-01-02T10:53:12","modified_gmt":"2023-01-02T09:53:12","slug":"bericht-des-landesbischofs-c-rentzing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/2016\/11\/bericht-des-landesbischofs-c-rentzing\/","title":{"rendered":"Bischofsbericht"},"content":{"rendered":"<p><a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" title=\"Beitragsbild festlegen\" href=\"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bischof-Rentzing.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-266x266 alignleft\" src=\"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bischof-Rentzing.jpg\" alt=\"bischof-rentzing\" width=\"250\" height=\"200\" \/><\/a>Am letzten Wochenende tagte die <a href=\"http:\/\/www.evlks.de\/aktuelles\/themen\/14895_32097.html\">Synode<\/a> &#8211; Leitungsgremium unserer Landeskirche &#8211; in Dresden. Dabei stellte u.a. unser Landesbischof Dr. Carsten Rentzing seinen <a href=\"http:\/\/www.evlks.de\/doc\/Vorlage%20Nr.%2026_Bericht%20LB%202016.pdf\">Jahresbericht<\/a> mit zahlreichen Impulsen vor. Gehaltvolles Schwarzbrot, aber es schmeckt!<\/p>\n<p>\u201e\u2026 das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit\u2026\u201c (Joh 1, 14)<br \/>\nSehr geehrter Herr Pr\u00e4sident, hohe Synode, liebe Schwestern und <!--more-->Br\u00fcder, vor wenigen Tagen wurde das Jahr des 500. Reformationsgedenkens eingel\u00e4utet. Wir werden in diesem Jahr viel Gelegenheit haben, uns der Reformationsgeschehnisse<br \/>\nund ihrer Bedeutung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft f\u00fcr Gesellschaft und Kirche zu versichern. Dass es dabei nicht nur um historische Reminiszenzen geht, sondern um den Glauben im Hier und Jetzt, sollte bereits durch die Themen der Reformationsdekade deutlich geworden sein. Das kommende Jahr wird sich f\u00fcllen mit vielen\u00a0\u00a0 Veranstaltungen und Events, die nicht vergessen machen d\u00fcrfen, dass es letztlich um die Ergreifung und Wiedergewinnung der Inhalte der Reformation gehen sollte, wenn wir gesellschaftlich und kirchlich mit Gewinn aus diesem Jahr hervorgehen wollen. Gute Ansatzpunkte daf\u00fcr wird es in mannigfaltiger Art und Weise geben, z. B. auch auf dem Kirchentag auf dem Weg in Leipzig, auf den ich ganz besonders bei dieser Gelegenheit hinweisen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Welche Inhalte aber sind es, um die es da gehen sollte? Worin besteht die geistliche Substanz der Reformation, die wir auch heute gut gebrauchen k\u00f6nnen? Nat\u00fcrlich fallen den Theologen dazu sofort die bekannten Stichworte ein: W\u00fcrde und Freiheit des Einzelnen, Priestertum aller Gl\u00e4ubigen, Rechtfertigung des S\u00fcnders aus Gnade im Glauben. Alle diese sind und bleiben Themen mit bedeutenden Auswirkungen auf Kirche und Gesellschaft. Als lutherische Kirche d\u00fcrfen wir dem allerdings noch etwas Wesentliches hinzuf\u00fcgen, n\u00e4mlich das Vertrauen auf die Realpr\u00e4senz Christi. Dieses Vertrauen auf die Realpr\u00e4senz Christi ist f\u00fcr Martin Luther geradezu der Ausgangspunkt und der Zielpunkt von allem.<br \/>\nDer Begriff und die Sache der Realpr\u00e4senz haben ihren theologiegeschichtlichen Ort bei der Frage nach dem Abendmahl in der Auseinandersetzung um die unterschiedlichen Auffassungen \u00fcber die Gegenwart Christi in eben diesem Mahl. Was auf den ersten Blick wie ein abstrakter Streit von Theologen aussehen k\u00f6nnte, war f\u00fcr die lutherischen Reformatoren \u2013 allen voran Martin Luther \u2013 eine Grundsatzfrage mit erheblichen Auswirkungen auf das Ganze des Glaubens und des kirchlichen Lebens. Wenn Christus nicht nur im Geist und im Glauben, sondern f\u00fcr Gl\u00e4ubige und Ungl\u00e4ubige gleicherma\u00dfen in Wort und Sakrament real gegenw\u00e4rtig ist, dann begegnet Christus den Menschen als Richter und Retter. Und zwar allen ganz unabh\u00e4ngig von ihrer individuellen Einstellung und Glaubenshaltung. Ausgangspunkt f\u00fcr diese Rede von der Realpr\u00e4senz ist im Eigentlichen die Christologie, also die Frage wie Gott in Christus in diese Welt kommt. Der biblische Kerntext f\u00fcr diese Frage der Realpr\u00e4senz von Gottheit und Menschheit in Christus steht traditionell im Johannesevangelium: \u201edas Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit\u201c (Joh 1, 14). Unter uns ist dieses Wort sehr bekannt. Diese Bekanntheit birgt allerdings die Gefahr in sich, die Herausforderung und geradezu Anst\u00f6\u00dfigkeit dieser Aussage nicht mehr deutlich genug zu erkennen. Wenn das g\u00f6ttliche Wort, also Gott selbst, Fleisch wird, dann bedeutet dies, dass Gott sich ganz und gar auf den Menschen und diese Welt einl\u00e4sst. Er l\u00e4sst sich so sehr darauf ein, dass Er sich nicht davor scheut, die verg\u00e4ngliche und begrenzte Materie zu seiner eigenen zu machen. Es ist diese Materie, es ist das Fleisch, mit dem sich Gott in Christus verbindet und damit in eine ganz au\u00dfergew\u00f6hnliche N\u00e4he zu uns Menschen und zu dieser Welt r\u00fcckt. So wird eine materielle und damit unmittelbare Begegnung mit Gott m\u00f6glich: \u201eWir sahen seine Herrlichkeit\u201c. Dieses Sehen der Herrlichkeit Gottes im Fleische Jesu Christi vollzieht sich als geschichtliches Ereignis. In der Geschichte ist es damit ein universal bedeutsames Geschehen, das sich nicht auf subjektive Empfindungen in individueller Begrenzung beschr\u00e4nkt. In Christus ist Gott tats\u00e4chlich f\u00fcr alle Welt und alle Zeit real gegenw\u00e4rtig! Insoweit ist auch die Rede von unserem Richter und Retter eine konkret reale f\u00fcr alle Menschen. Sie hat nicht nur f\u00fcr uns als Christenheit Bedeutung. Gott hat in seiner Fleischwerdung diese innige N\u00e4he zu uns Menschen gesucht, weil Er will, \u201edass alle Menschen gerettet werden\u201c (1. Tim 2, 4). Er will allen Menschen nahe sein. Und deshalb verbindet Er sich in der Fleischwerdung auch real mit allen Menschen.<br \/>\nDie Realit\u00e4t, die in der Fleischwerdung Christi vor 2000 Jahren geschaffen wurde, tritt nun in unseren Raum und in unsere Zeit durch Wort und Sakrament. Im Johannesevangelium formuliert es Jesus wahrscheinlich bezogen auf das Heilige Abendmahl folgenderma\u00dfen: \u201eWer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm\u201c (Joh 6, 56). Fleisch und Blut Christi sind also im Abendmahl gegenw\u00e4rtig, real pr\u00e4sent. Christus ist in Wort und Sakrament real gegenw\u00e4rtig. Und damit alles, was er f\u00fcr uns getan hat. So hat es die lutherische Theologie schlie\u00dflich formuliert. Dieses Vertrauen auf die Realpr\u00e4senz Christi war und ist es, die die Substanz des Glaubens und seine kirchliche Gestalt in Folge pr\u00e4gte. Denn wenn alles an der Fleischwerdung Gottes in Christus und damit der Realpr\u00e4senz Christi in unserem Raum und unserer Zeit h\u00e4ngt, dann bedarf es keiner anderen falsch verstandenen Sicherungsmechanismen des Heils mehr. Weder auf institutioneller Ebene, noch auf individueller Ebene. Eben \u201eChristus allein\u201c, wie es der Wittenberger \u201eReformationsruf\u201c zum Ausdruck bringt. Der kirchliche Auftrag besteht dann darin, Christus durch Wort und Sakrament real pr\u00e4sent zu halten. Und so lohnt es sich, die kirchlichen Fragen, die uns im Augenblick besch\u00e4ftigen und manchmal auch bedr\u00e4ngen, unter dem Blickwinkel der Realpr\u00e4senz Christi zu betrachten.<br \/>\nDie Realpr\u00e4senz Christi: Der gekreuzigte Christus<br \/>\nDer uns in Wort und Sakrament real begegnende Christus ist der gekreuzigte Christus. Mit ihm treten uns Schmerz, Leid und Not dieser Welt vor Augen. Die weinenden Kinder, die vergewaltigten Frauen, die zerschmetterten K\u00f6rper nach einem Bombenangriff, die vielen Menschen, die dem zerst\u00f6rerischen Treiben des B\u00f6sen ausgeliefert sind. Mit allen diesen Menschen ist und bleibt Christus inniglich verbunden. Als gekreuzigter real pr\u00e4senter Christus erinnert Er uns daran und stellt uns diese Menschen un\u00fcbersehbar vor Augen. In besonderer Weise zeigt Er dabei auf seinen eigenen geschundenen Leib, die leidende Kirche in aller Welt. Es war Martin Luther, der einmal formuliert hat, dass das Kreuz Christi ein nota ecclesiae sei, also ein Kennzeichen der wahren Kirche. Im Blick auf die Verfolgung und Not unserer christlichen Glaubensgeschwister in aller Welt wird dies zu einer schauderhaften Realit\u00e4t. Ja, die Kirche, die Christus in ihrer Mitte pr\u00e4sent h\u00e4lt, tr\u00e4gt selbst die Signatur des Kreuzes an sich. Nicht nur deshalb, aber auch deshalb steht die Kirche Christi zu allen Zeiten auf der Seite der Notleidenden. Es war und ist ein wunderbares Zeugnis vor der Welt, dass Gl\u00e4ubige und Kirchgemeinden in unserem Land an der Spitze derer standen und stehen, die Hilfesuchenden beistehen. Es muss freilich auch immer wieder ein Zeugnis vor der Welt sein, dass die Not unserer leidenden Glaubensgeschwister in aller Welt, niemals vergessen wird. \u201eWenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit\u201c (1. Kor 12, 26). Das Kreuz unserer Glaubensgeschwister ist unser eigenes Kreuz.<br \/>\nDie Not der unter Gewalt leidenden Menschen musste hier an den Anfang gestellt werden, um keinen falschen Eindruck zu erwecken, wenn nun von unserem eigenen Kreuz geredet wird. Im Vergleich zu anderen Kreuzen ist die Last dieses Kreuzes leicht. Aber es bleibt dennoch ein Kreuz. Wir befinden uns in gro\u00dfen Umw\u00e4lzungsprozessen, die die Art und Weise, wie wir als Kirche in diesem Lande aufgestellt sind, ver\u00e4ndern werden. Die Zahl der Gemeindeglieder nimmt ab. Und dies k\u00f6nnte auch den Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung betreffen. Es ist schon oft darauf hingewiesen worden, dass die Faktoren, die daf\u00fcr verantwortlich zu machen sind, mehrheitlich zu einer \u201eGro\u00dfwetterlage\u201c f\u00fchren, f\u00fcr deren Zustandekommen oder auch Verhinderung wir eigentlich nichts beizutragen haben. Das Kleinerwerden der Kirche und der damit verbundene scheinbare und tats\u00e4chliche Bedeutungsverlust, die Verknappung unserer materiellen Ressourcen sind die Kreuze, die uns aufgeb\u00fcrdet sind. Wenn wir Christus in unserer Mitte haben, dann kommen eben auch wir nicht am gekreuzigten Christus vorbei. Auch wir tragen auf unsere Art und Weise die Signatur des Kreuzes in dieser Zeit und Welt. F\u00fcr viele Gemeindeglieder geh\u00f6rt es zu den schmerzlichen Erfahrungen, dass die Dinge nicht so bleiben k\u00f6nnen, wie sie sind. Und die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen sich Sorgen um die zuk\u00fcnftige Form ihrer Arbeit. Allerdings zeigen meine Begegnungen auf den Kirchenvorstehertagen, dass vielen sehr wohl bewusst ist, in welcher Lage wir uns befinden und dass Ver\u00e4nderungen n\u00f6tig sind. An manchen Orten war ich eher \u00fcberrascht, wie gro\u00df die Bereitschaft ist, mutige Schritte in die Zukunft zu gehen. Manchmal \u00fcbertraf der artikulierte Mut sogar noch meinen eigenen. Nat\u00fcrlich gab es auch kritische Anmerkungen. Nat\u00fcrlich z\u00f6gert man vor Ort auch. Und selbstverst\u00e4ndlich gibt es Widerspruch. Und dennoch war das Klima, auf das ich im ganzen Lande traf, eher konstruktiv. Und das stimmt mich hoffnungsvoll. Es ist diese Konstruktivit\u00e4t, mit der auch der Beschluss der Kirchenleitung zur Strukturreform betrachtet werden sollte. Das Papier der Kirchenleitung \u201eKirche mit Hoffnung\u201c, das versucht, die Lage m\u00f6glichst realistisch zu beschreiben und Handlungsperspektiven darlegt, die auf langfristig tragende Strukturen ausgerichtet sind, wird mittlerweile im ganzen Lande zum Teil kontrovers debattiert. Und \u00fcberall ist der Schmerz, der damit verbunden ist, sp\u00fcrbar. Das klein zu reden, w\u00e4re verantwortungslos. Ich m\u00f6chte nur darauf hinweisen, dass diese Schmerzen nicht unmittelbar auf die Beschlusslage der Kirchenleitung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, sondern auf das Kreuz, das uns in unserer Zeit und Welt aufgeb\u00fcrdet ist. Der Kirchenleitungsbeschluss versucht nur eine Antwort darauf zu geben, wie wir dieses Kreuz besser zu tragen verm\u00f6gen, ohne unseren Auftrag zu verraten. Dieser Auftrag aber besteht darin, Christus in allen Teilen und Winkeln dieses Landes und unter allen Menschen, die uns umgeben, durch Wort und Sakrament pr\u00e4sent zu halten. Und genau dem soll alles dienen, was wir beschlossen haben. Wir d\u00fcrfen traurig sein \u00fcber verpasste Chancen und \u00fcber geringer werdende M\u00f6glichkeiten, die damit verbunden sind. Aber wir d\u00fcrfen auch h\u00f6ren: \u201eSelig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getr\u00f6stet werden\u201c (Mt 5, 4). Wir d\u00fcrfen uns sorgen um eine \u00e4rmer werdende Kirche. Aber wir d\u00fcrfen auch h\u00f6ren: \u201eSelig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer\u201c (Lk 6, 20). Wenn der gekreuzigte Christus in unserer Mitte pr\u00e4sent ist, dann sind Armut und Leid eben nicht verhei\u00dfungslos. Das Kreuz ist nicht das letzte Wort,<br \/>\ndas gesprochen wird. So wie es der Apostel Paulus einmal zum Ausdruck gebracht hat: \u201eWir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserem Leibe, auf dass auch das Leben Jesu an unserem Leibe offenbar werde\u201c (2. Kor 4, 10). Und so kann und will ich das Kreuz, das wir zu tragen haben als Weg sehen hin zur Auferstehung. Denn: Der gekreuzigte Christus ist zugleich der auferstandene Christus.<br \/>\nDie Realpr\u00e4senz Christi \u2013 Der auferstandene Christus<br \/>\nAls Bischof fahre ich mittlerweile auf und ab durch das ganze Land und treffe auf viele Menschen in vielen Gemeinden. Die Situation dieser Gemeinden ist sehr unterschiedlich. Und doch bin ich immer wieder begeistert von der Lebendigkeit und Kraft des Glaubens, die in diesen Gemeinden sichtbar wird. Da ist die Frau, die sich beim gro\u00dfen Gemeindefest ehrenamtlich und voller Freude engagiert, und die mir erz\u00e4hlt, dass sie den Weg zum christlichen Glauben und zur Taufe erst k\u00fcrzlich gefunden habe durch einen Glaubenskurs, den man vor Ort angeboten hat und durch Freunde, die sie dorthin einluden. Da sind die Jugendlichen, die zuerst etwas z\u00f6gerlich und dann mit fr\u00f6hlicher Offenheit auf mich zukommen und mir begeistert von ihrem l\u00e4ndlichen Jugendprojekt erz\u00e4hlen, durch das unerwarteter Weise auch in den Gottesdiensten wieder mehr Jugendliche anzutreffen sind. Und schlie\u00dflich ist da der Gefl\u00fcchtete, der als allererstes einen Selfie mit mir haben m\u00f6chte. Danach bedankt er sich bei mir f\u00fcr die Gastfreundschaft, die er erfahren habe und f\u00fcr die Heilige Taufe, die ihm geschenkt worden sei. Stolz zeigt er mir danach seinen Taufschein und das Apostolische Glaubensbekenntnis, kunstvoll auf einem besonderen Blatt aufgezeichnet in der Sprache der Farsi.<br \/>\nDer auferstandene Christus ist tats\u00e4chlich in unserer Mitte in Wort und Sakrament gegenw\u00e4rtig. Die Kr\u00e4fte des neuen Lebens sind unter uns wirksam. Menschen beschreiten real den Weg des Glaubens. Menschen werden real getr\u00f6stet. Menschen sind real erf\u00fcllt mit Glaubensfreude und Glaubenszuversicht. Bei allen Problemen, \u00fcber die wir zu reden haben, liegen in dieser Kirche herrliche Potentiale, die sich aus der Segenskraft des Auferstandenen speisen. Noch immer k\u00f6nnen wir eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anstellen und \u00fcber das ganze Land verteilen. Den Gemeinden stehen vielf\u00e4ltige Mittel zur Verf\u00fcgung, um ihre Arbeit vor Ort zu tun.<br \/>\nUnd die Gemeinden erf\u00fcllen diese Aufgaben auch. Durch Schulen und Kinderg\u00e4rten in kirchlicher Tr\u00e4gerschaft oder Mitbeteiligung, durch diakonische Projekte verschiedener Art reichen wir in unserer Wirksamkeit weit \u00fcber die Grenzen unserer Gemeinden hinaus. Eltern, deren Kinder mit christlichen Liedern auf den Lippen nach Hause kommen, fragen selbst wieder oder auch ganz neu nach dem christlichen Glauben. Sie sp\u00fcren offenkundig, dass da bei ihren Kindern etwas Lebendiges am Werk ist.<\/p>\n<p>Immer wieder gibt es geistliche Aufbr\u00fcche, Gemeinden, die Neues wagen. Es kommt zu Glaubenserweckung, zu Glaubensst\u00e4rkung und Glaubensvertiefung. Diese Kirche ist alles andere als eine sterbende Kirche. Sie hat Anteil an der Auferstehungskraft des gegenw\u00e4rtigen Christus. Vielleicht sollten wir uns wieder mehr diese verhei\u00dfungsvollen Geschichten aus der t\u00e4glichen Praxis berichten und nicht st\u00e4ndig und allein um die Probleme kreisen, die uns nat\u00fcrlich auch bewegen. Vor dem Strudel der Negativit\u00e4t sollten wir uns tunlichst h\u00fcten. Es gibt keinen Grund pessimistisch zu werden. Denn in unserer Mitte ist und bleibt der auferstandene Christus pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Die Realpr\u00e4senz Christi \u2013 Der Richter und Retter<br \/>\nDie Konsequenzen der Fleischwerdung Gottes einerseits und der Realpr\u00e4senz Christi andererseits werden an dieser Stelle am Deutlichsten. Wenn Christus in Wort und Sakrament real in unserer Mitte gegenw\u00e4rtig ist, dann trifft der Glaube auf seinen Retter, der Unglaube aber auf seinen Richter. Darin liegt der ganze Ernst der Rede von der Realpr\u00e4senz. In den kontroversen Themen der Sexualethik bis hin zu Frage der Segnung eingetragener Lebenspartnerschaften, die unsere Kirche zu zerrei\u00dfen drohen, muss das immer wieder vor Augen gef\u00fchrt werden. Der real gegenw\u00e4rtige Christus richtet mit seinem Wort selbst unser Tun oder unser Lassen. Wir streiten \u00fcber das Verst\u00e4ndnis seines Wortes. \u00dcber eines aber k\u00f6nnen wir nicht streiten. Christus selbst richtet und rettet. Christus selbst ist das Lehramt dieser Kirche und keine Institution und kein Mensch an seiner statt. Darin besteht die konsequente Ekklesiologie vor dem Hintergrund der Rechtfertigungslehre und vor dem Hintergrund des Vertrauens auf die Realpr\u00e4senz Christi. An der Frage der Einordnung der Homosexualit\u00e4t ist unser gemeinsames Verst\u00e4ndnis des Wortes zerbrochen. Und das ist keine Kleinigkeit. Es geh\u00f6rt auch nicht zu den Dingen, an denen man die Vielfalt des evangelischen Glaubens messen und preisen k\u00f6nnte. Daf\u00fcr geht es hier um zu viel und um zu Grunds\u00e4tzliches. Es geht um Gericht und Gnade.<br \/>\nIn unserer Mitte ist wohlbekannt, wie ich pers\u00f6nlich zu dieser Frage stehe. Ich kann und ich werde selbst weder zu \u00f6ffentlichen Segnungen raten noch sie selbst durchf\u00fchren. Was ich aber kann, das tue ich. Ich gebe die Gewissen der Schwestern und Br\u00fcder frei, die an dieser Stelle zu einer anderen \u00dcberzeugung gelangt sind. Ich kann dies, weil ich darauf vertraue, dass jede Entscheidung, die getroffen wird, von eben diesem Ernst der Realpr\u00e4senz Christi getragen wird. Sollte ich mich irren in meinem Verst\u00e4ndnis des Wortes, wei\u00df ich, dass ich mit diesem Irrtum meinem Richter begegne. Ich bin dem\u00fctig genug, auch damit zu rechnen. Und ich erwarte das auch von allen anderen Beteiligten.<br \/>\nAus diesen Grunderkenntnissen heraus ergab sich der Weg, den die Kirchenleitung zur Handreichung gegangen ist. Angesichts eines zerbrochenen magnus consensus konnte kirchenleitendes Handeln nur darin bestehen, Raum und Zeit offen zu halten f\u00fcr die Ansprache Christi. Erf\u00fcllt vom Ernst der Frage, herausgefordert vom Willen zur Einheit und gedr\u00e4ngt von der geschwisterlichen Liebe haben wirbeschlossen, was wir beschlossen haben. Die Lehrfrage, die uns trennt, geben wir in die H\u00e4nde Christi. Und wir tun dies in der Erwartung, dass Er uns einmal das gemeinsame Wort dazu schenken wird. Bis dahin aber gew\u00e4hren wir uns gegenseitig Schutz und Raum. Diese Rede vom gegenseitigen Schutz und Raum stand am Ende des dreij\u00e4hrigen Gespr\u00e4chsprozesses in unserer Landeskirche. Wir waren damals in der Lage, dem einstimmig zuzustimmen. Und jetzt stehen wir neuerlich vor der Herausforderung, dies auch mit Leben zu f\u00fcllen. Schutz und Raum bedeutet, die Zumutung anzunehmen, regelm\u00e4\u00dfig mit der entgegengesetzten Lehre konfrontiert zu werden. Und das gilt in alle Richtungen. Dass dies schwer ist, zeigt die Praxis. Unm\u00f6glich aber ist es nicht. Auch daf\u00fcr gibt es Beispiele. M\u00f6glich wird es wohl immer dann, wenn unser Reden und Handeln getragen ist vom Willen zur Einheit und von echter Liebe. Die Einheit der Gl\u00e4ubigen ist der Wille des realpr\u00e4senten Christus. Und die echte geschwisterliche Liebe ist sein vornehmstes Gebot. Bei der Frage nach der Einheit haben wir keine Wahl. Sie ist der Auftrag an uns. Ein Auftrag, den niemand, der geistliche Verantwortung tr\u00e4gt, leichtfertig verspielen darf. Wir sollten auch nicht vergessen, dass diese Einheit in vielen Fragen auch innerlich gegeben ist. Es gibt mehr, was uns eint, als was uns trennt. Wir stehen gemeinsam zu den Grundlagen der Reformation. Wir verk\u00fcndigen gemeinsam den gekreuzigten und auferstandenen Christus. Wir vertrauen gemeinsam auf den in Wort und Sakrament real gegenw\u00e4rtigen Herrn. Wir werden gemeinsam t\u00e4tig in der Liebe zu Mitmensch und Welt. Dass wir uns das immer wieder deutlich machen, ist eine wichtige Voraussetzung daf\u00fcr, auch das Trennende zu tragen.<br \/>\nUnd nun noch ein Wort zur geschwisterlichen Liebe. In den Auseinandersetzungen der Vergangenheit und Gegenwart gab und gibt es immer wieder Grenz\u00fcberschreitugen, die sich selbst richten. Es gibt keine Liebe ohne die Inanspruchnahme der Wahrheit. Es gibt aber auch keine Wahrheit ohne die Inanspruchnahme der Liebe. Bei aller Ernsthaftigkeit der Debatten d\u00fcrfen wir niemals vergessen, in unserem Gegen\u00fcber den Bruder und die Schwester im Glauben zu erblicken. Wir d\u00fcrfen niemals vergessen, dass alle Lehre in Liebe den Menschen dienen soll und muss. Gerade mit Blick auf die Fragen der Sexualethik und der Segnung homosexueller Menschen d\u00fcrfen wir niemals aus dem Blick verlieren, dass es hier um Geschwister aus unserer eigenen Mitte geht. Das muss die Form der Debatten bestimmen. Wo nicht real erkennbar wird, dass die Liebe zu den Geschwistern uns antreibt, kann auch die Wahrheit Christi nicht ernsthaft f\u00fcr sich reklamiert werden.<br \/>\nChristus ist real in unserer Mitte durch Wort und Sakrament gegenw\u00e4rtig. Das Vertrauen auf diese Realit\u00e4t ist tragender Grund unseres kirchlichen Daseins als Kirche der lutherischen Reformation. Im Vertrauen auf diese Gegenwart muss uns nicht Angst und Bange werden vor der Zukunft. Durch Irrungen und Wirrungen ist diese Kirche die vergangenen fast 500 Jahre gegangen.<br \/>\nDas Vertrauen auf Christus aber hat sich dabei bew\u00e4hrt. Christus ist noch immer real pr\u00e4sent in unserer Mitte. Als seine Kirche tragen wir die Signatur des Kreuzes aber auch die Signatur seiner Auferstehung an uns. Das ist die Quelle des Trostes und der Kraft durch alle Zeiten hindurch. Seiner F\u00fchrung k\u00f6nnen wir uns bedingungslos anvertrauen. Die Zeiten m\u00f6gen f\u00fcr uns rauer werden. Die Bedingungen unserer Arbeit m\u00f6gen sich wandeln. Die Welt dreht sich. Der gekreuzigte und auferstandene Christus aber bleibt. Er bleibt so real, wie das Wort real Fleisch geworden ist.<br \/>\nWir feiern im vor uns liegenden Jahr nicht den Geburtstag der evangelischen Kirche, wie es am Beginn der Reformations-dekade manchmal zu h\u00f6ren war. Dieser Geburtstag liegt vielmehr im Pfingstereignis vor 2000 Jahren. Wir begehen vielmehr ein Christusfest. Das ist richtig und gut so. Denn genau darin liegt der R\u00fcckgriff auf die innere Substanz des Reformationsgeschehens vor 500 Jahren. \u201eChristus allein\u201c! So wollen wir diese Kirche gestalten. Im Vertrauen auf den gegenw\u00e4rtigen Herrn. Wir wollen Strukturen so bauen, dass sie seiner Gegenwart in Wort und Sakrament weiter dienen k\u00f6nnen. Und damit durch seine Gegenwart auch die Segenskr\u00e4fte der Auferstehung in unserer Mitte weiter wirken. Und wir wollen erwarten, dass Er uns lenkt und leitet, als unser Richter und Retter.<br \/>\nDer Weg solchen Vertrauens f\u00fchrt dahin, Gottes Herrlichkeit zu sehen. Das ist eine gro\u00dfe Verhei\u00dfung allen Widernissen zum Trotz. Es l\u00e4sst mich freudig und zuversichtlich nach vorn blicken. Alles andere w\u00e4re eine Form des Misstrauens Christus gegen\u00fcber, dem wir doch alles zu verdanken haben. \u201eO welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!\u201c (R\u00f6m 11, 33) Was der Apostel Paulus hier einst mit Blick auf den Weg Israels ausgesprochen hat, kann doch wohl auch mit Blick auf den Weg Gottes mit seiner Kirche gesagt werden. Paulus endet freilich mit der gro\u00dfen Doxologie. Am Ende wird alles gut: \u201eDenn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen\u201c (R\u00f6m 11, 36).<br \/>\nWahrlich, so soll es sein. Auch f\u00fcr die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens.&#8221;<\/p>\n<p>(aufgerufen am 18.11.2016: http:\/\/www.evlks.de\/landeskirche\/landessynode\/31915.html)<\/p>\n<p>(Bildnachweis: http:\/\/www.evlks.de\/landeskirche\/landessynode\/31915.html)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am letzten Wochenende tagte die Synode &#8211; Leitungsgremium unserer Landeskirche &#8211; in Dresden. Dabei stellte u.a. unser Landesbischof Dr. Carsten Rentzing seinen Jahresbericht mit zahlreichen Impulsen vor. 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