{"id":14035,"date":"2022-12-20T18:05:34","date_gmt":"2022-12-20T17:05:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/?p=14035"},"modified":"2023-01-02T10:28:04","modified_gmt":"2023-01-02T09:28:04","slug":"schattenreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/2022\/12\/schattenreich\/","title":{"rendered":"Schattenreich"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cDie Welt wurde aus Liebe und f\u00fcr die Liebe geschaffen, deshalb ist sie so verletzlich, zerbrechlich und voller Leid.\u201d<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ann Voskamp<\/p>\n\n\n\n<p>Ich k\u00e4mpfe gegen die Schatten. Ich durchdenke, suche Wege, wehre mich, bem\u00fche mich, versuche sie zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Kraft investiere ich. Denn die Schatten meines Lebens machen mir Angst und belasten mich, deshalb muss ich sie loswerden. So wie jeder dagegen ank\u00e4mpft. Niemand m\u00f6chte mit den Schatten leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie stellen die Schuldfrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie konnte es dazu kommen, dass sie da sind und sich so ausbreiten?<\/p>\n\n\n\n<p>Sie passen nicht in meine Vorstellung von einem Leben mit GOTT.<\/p>\n\n\n\n<p>GOTT ist gut, ich! muss irgendwo falsch abgebogen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch es ist egal in welche Richtung ich gehe, wie sehr ich mich m\u00fche, bete, die Schatten bleiben. Vielleicht ist es zu sp\u00e4t f\u00fcr mich, vielleicht ist GOTT nicht immer gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Und pl\u00f6tzlich bricht in meinem Gedanken- Wirrwarr etwas Neues auf:<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht in Wahrheit sinnlos, gegen (die eigenen) Schatten zu k\u00e4mpfen?<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ja faktisch unm\u00f6glich, also reine Kraftverschwendung!<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Schatten werden nicht verschwinden, solange es mich selber gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Kann es sein, dass der Kampf gegen sie der falsche ist? Eine falsche Schlacht, die man gar nicht gewinnen kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Keiner will leiden. Nat\u00fcrlich. Zudem wird in frommen Kreisen Leid mit GOTTesferne assoziiert. Mit Versagen und Schuld. Wer nur den richtigen Weg geht, den segnet GOTT doch, also!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber: <\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cDie Abwesenheit von Leid ist nicht unbedingt ein Anzeichen f\u00fcr die Anwesenheit GOTTes\u201d<\/em>   Sarah Keshtkaran<\/p>\n\n\n\n<p>Das stimmt und hei\u00dft im Umkehrschluss: GOTT ist auch im Leid zu finden oder vielleicht gerade da.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann das sein?<\/p>\n\n\n\n<p>ER selber hat das Leid zu einem Teil seiner eigenen Existenz gemacht. Das Kreuz ist das Fundament des Glaubens.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Trost<\/strong> gibt es nur im Leid,<\/p>\n\n\n\n<p>alles was die <strong>Liebe<\/strong> in ihrem letzten Wesen ausmacht, offenbart sich erst in Schmerz und Schwierigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Echte Gemeinschaft und <strong>N\u00e4he<\/strong> entsteht dort, wo man das Dunkle teilen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Was w\u00e4re die Welt ohne Trost, Liebe und N\u00e4he und Gemeinschaft? Kalt und keinesfalls lebenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber alle diese Dinge sind an die Existenz von Leid gekn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>So irrsinnig es klingen mag: Wir brauchen den Schmerz -auch um glauben und lieben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind die Leidenden, die, die mit GOTT hadern, die den Glauben und was das Kreuz bedeutet, durchbuchstabieren und so mehr begreifen als die Leistenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer selbst erfahren hat, wie es sich anf\u00fchlt als Jesus schrie: \u201cMein GOTT mein GOTT, warum hast du mich verlassen?\u201d begreift die Liebe GOTTes auch ganz anders. Die Tragik seiner Liebe, die Tiefe. Und er erahnt die M\u00f6glichkeit eines Sinnes in all dem Unfassbaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Drang, Leid und Schmerz aus dem Leben vertreiben zu wollen, ist zutiefst menschlich und trotzdem oder gerade deshalb falsch. Und der Kampf ist zudem aussichtslos.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist ein spezielles Ph\u00e4nomen unserer westlichen wohlbeh\u00fcteten Welt, dass wir so sehr gegen jeglichen Schmerz ank\u00e4mpfen, mit unserem Schicksal hadern und GOTT anklagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum ich? Ja, warum eigentlich nicht ich?<\/p>\n\n\n\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer der Wohlstand einer Gesellschaft ist, desto gr\u00f6\u00dfer sind auch die \u00c4ngste paradoxerweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil wir uns gegen sovieles absichern und viele Bereiche kontrollieren k\u00f6nnen, wir keine existenziellen Sorgen haben, erliegen wir dem Trugschlu\u00df, durch eigenes \u00fcberlegtes Handeln unser Leben \u201cim Griff\u201d zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede m\u00f6gliche Gefahr wird im Vorraus bedacht und nach M\u00f6glichkeit eliminiert. Unsere Existenz und vieles mehr ist auf einem recht hohen Standard abgesichert.<\/p>\n\n\n\n<p>Passiert dann trotzdem etwas Schlimmes, wird sofort gefragt: \u201cWer hat Schuld? Wie h\u00e4tte man das verhindern k\u00f6nnen?\u201d<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dass Menschen sterben, schwer erkranken, ist \u00fcberall auf der Welt schlimm. Und dennoch ist das Ausma\u00df der empfundenen Trag\u00f6die in westlichen L\u00e4ndern viel gr\u00f6\u00dfer. Das gilt ebenso bei Naturkatastrophen oder ganz profan der Inflation.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Menschen in \u00e4rmeren L\u00e4ndern sind Leid gew\u00f6hnt. Es geh\u00f6rt f\u00fcr sie zum Leben dazu und sie werden davon nicht so \u00fcberrascht und eingenommen wie wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem ist es f\u00fcr sie weniger ein Grund mit GOTT zu hadern und Vorw\u00fcrfe an wen auch immer zu richten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir Privilegierten jedoch meinen tief in uns drin, ein Recht auf ein gutes Leben zu haben &#8211; unausgesprochen und teils unbewusst.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist ein Trugschluss.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Das Schwere ist unweigerlich Teil des Lebens und auch Teil von GOTT.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eliminieren zu wollen, hie\u00dfe GOTT zu eliminieren und das Leben an sich.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Sinnlosigkeit dieses Kampfes verdeutlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und je mehr man gegen etwas ank\u00e4mpft, umso gr\u00f6\u00dfer wird es, nimmt immer mehr Raum ein und versperrt so die (objektive) Sicht. Irgendwann kann man nichts Gutes mehr sehen und h\u00e4lt das dann f\u00fcr die Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es an der Zeit, diesen Krieg zu beenden gegen uns selbst, das Leben, Leiden und GOTT.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schlachtfeld zu verlassen samt der falschen Vorstellungen und mit dem Leid ein bisschen Frieden zu schlie\u00dfen. Waffenstillstand zumindest.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe keine Ahnung, ob und wie das funktioniert und es ist mit Sicherheit nicht die allumfassende L\u00f6sung f\u00fcr jede Situation. Aber es scheint mir einen Gedanken oder gar Versuch wert, gerade wenn es unerkl\u00e4rlich schwer ist, das Leben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201cSchmerz und Sch\u00f6nheit sind die beiden Gesichter GOTTes.\u201d <\/em>Richard Rohr<\/p>\n\n\n\n<p>All die Sch\u00f6nheit der Welt und der Menschen ist ein Hinweis auf GOTT und spiegelt ihn wider.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles Leid und aller Schmerz der Welt und der Menschen ist ein Hinweis auf GOTT und spiegelt ihn wider.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer das in seiner Tiefe verstehen kann, der ist dem Wesen GOTTes nahe gekommen und kann darin echten Trost finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Trost, der das Leid nicht wegreden und bek\u00e4mpfen will, sondern aush\u00e4lt, annimmt(?) und den Blick der Seele weiten kann, Perspektive schenkt \u00fcber das eigene (Er)Leben hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Weg ist weit,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>das Ziel nicht zu sehen,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>die Schatten werden bleiben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>und sind am Ende ja nur stille Zeugen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gibt Licht!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cDie Welt wurde aus Liebe und f\u00fcr die Liebe geschaffen, deshalb ist sie so verletzlich, zerbrechlich und voller Leid.\u201d Ann Voskamp Ich k\u00e4mpfe gegen die Schatten. 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