{"id":13595,"date":"2022-06-29T14:06:57","date_gmt":"2022-06-29T12:06:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/?p=13595"},"modified":"2023-01-02T10:28:27","modified_gmt":"2023-01-02T09:28:27","slug":"adieu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/2022\/06\/adieu\/","title":{"rendered":"Adieu"},"content":{"rendered":"\n<p>In diesen letzten Tagen vor meinem Abschied hier als Pfarrer ist mir dieser wunderbare Artikel in die H\u00e4nde gefallen. Gesegnetes Lesen und ein gutes Abschiednehmen und Weitergehen w\u00fcnsche ich uns allen. Der Herr m\u00f6ge es f\u00fchren!<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr und Euer Pfarrer Jonas Gro\u00dfmann<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was zu einem gegl\u00fcckten Abschied geh\u00f6rt<\/h2>\n\n\n\n<p>von Andreas Geister<\/p>\n\n\n\n<p><em>Als Jesus wusste, dass er bald von seinen J\u00fcngern w\u00fcrde Abschied nehmen m\u00fcssen, da sagt er zu ihnen: Jetzt seid ihr eine kleine Zeit traurig, weil ihr mich nicht mehr seht. Aber ich will euch wiedersehen. Dann werdet ihr euch freuen, und diese Freude wird euch niemand nehmen k\u00f6nnen. (Joh 16,22)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was hei\u00dft es, gut und in Frieden Abschied zu nehmen?<\/p>\n\n\n\n<p>In der Bibel ist \u00f6fters von Abschied die Rede &#8211; in ganz unterschiedlichen Situationen:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Abraham<\/strong>&nbsp;muss Abschied nehmen von seiner Heimat, seinem Vaterhaus, seiner Verwandtschaft und den Aufbruch wagen, weil Gott ihn an einen neuen Ort ruft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jakob<\/strong>, Josefs Vater, zieht mit seiner ganzen Familie nach \u00c4gypten. Er wird vom Pharao empfangen und bekommt von ihm Land geschenkt. Als er sich dann vom Pharao verabschiedet, segnet er ihn. Der Segen beim Abschied ist etwas ganz Wichtiges.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samuel<\/strong>, der nach langer Dienstzeit sein prophetisches Richteramt niederlegt, verabschiedet sich vom Volk und gibt noch einmal Rechenschaft \u00fcber sein Tun. Er h\u00e4lt eine Abschiedsrede und l\u00e4sst sich vom Volk entlasten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der&nbsp;<strong>Apostel Paulus&nbsp;<\/strong>muss auf seinen Reisen, durch die er das Evangelium zu den V\u00f6lkern bringt, immer wieder Abschied nehmen &#8211; von Mitarbeitern, Gemeinden, von neuen Freunden und von geistlichen Kindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Johannesevangelium \u00fcberliefert uns die&nbsp;<strong>Abschiedsreden Jesu<\/strong>, in denen er davon spricht, dass er seine J\u00fcnger verlassen muss, weil er zu seinem Vater zur\u00fcckkehrt. Er macht ihnen Mut und versichert ihnen:&nbsp;<em>Ich lasse euch nicht als Waisen zur\u00fcck, ich werde euch einen Beistand senden, n\u00e4mlich den Heiligen Geist &#8230;<\/em>&nbsp;und vergesst nie: er selbst, Gott, der Vater, hat euch lieb. Danach betet Jesus noch f\u00fcr seine J\u00fcnger und f\u00fcr die ganze Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt ein Abschiednehmen, das sich durch die ganze Bibel hindurchzieht, das Abschiednehmen von denen, die gestorben sind:<\/p>\n\n\n\n<p>Josef weint um seinen Vater Jakob, David um Saul. Die Frauen von Bethlehem trauern um ihre get\u00f6teten Kinder. Maria von Bethanien um ihren Bruder Lazarus. Maria Magdalena um ihren Freund und Meister Jesus. Diese Art des Abschieds zieht sich auch durch unser Leben. Abschied nehmen von unseren Verstorbenen &#8211; das bleibt keinem erspart.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wanderer auf dem Weg nach Haus<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dass das Abschiednehmen zum Leben geh\u00f6rt, h\u00e4ngt damit zusammen, dass wir Pilger sind auf dieser Welt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir. (Hebr 13, 14)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Solange wir auf der Welt sind, sind wir unterwegs. Nie ganz daheim, leben wir im Vorl\u00e4ufigen, unter der Verhei\u00dfung, dass das Beste noch kommt. Fromme Juden lassen in ihrer Wohnung ganz bewusst eine Ecke untapeziert zur Erinnerung: Wir sind hier nicht ganz zuhause, sondern auf der Durchreise ins ewige Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer auf der Durchreise ist, muss immer wieder Abschied nehmen. So auch wir: Jeden Abend, wenn wir die Kleider ablegen und zu Bett gehen, nehmen wir Abschied vom Tag. Ein lebenskluger Mensch sagte einmal: Wenn wir schlafen, ist das wie ein kleiner Tod. Wir m\u00fcssen alles zur\u00fccklassen und k\u00f6nnen nichts mitnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir alle kennen den Abschied vom Elternhaus, ausziehen oder heiraten: Das bedeutet, die Kindheit hinter uns lassen, ein eigenes Leben beginnen. Der Abschied von der Schule: Viele Jugendliche freuen sich darauf. Erst sp\u00e4ter kommt einem die Schulzeit geradezu wie das Paradies vor. Leben hei\u00dft, immer wieder Abschied nehmen m\u00fcssen. Es fragt sich nur: Wie gelingt das in guter Weise? So dass wir frei sind f\u00fcr das Neue, das kommt? Was geh\u00f6rt dazu?<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Dinge scheinen mir wesentlich:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das, was war, umarmen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir einen Besuch verabschieden, umarmen wir uns oder geben einander fest die Hand und schauen uns an. Das ist wichtig: Man will einander noch einmal sp\u00fcren, noch einmal nahe sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch mit den Verstorbenen machen wir das. Wir streicheln sie noch einmal, legen ihnen Blumen in die H\u00e4nde und lassen sie unsere N\u00e4he sp\u00fcren. Wir erz\u00e4hlen von ihnen oder h\u00f6ren ihren Lebenslauf. So umarmen wir ihr Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir von der Schule oder einer Arbeitsstelle Abschied nehmen, machen wir ein Abschiedsfest und holen all diejenigen in unsere N\u00e4he, denen wir Adieu sagen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stelle mir vor, dass Abraham noch einmal \u00fcber seine Felder gegangen ist, um sich von seiner Heimat zu verabschieden, bevor er loszog in das unbekannte Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Erinnert ihr euch an Jesus, an den letzten Abend mit seinen J\u00fcngern? Da feiert er mit ihnen, isst mit ihnen:&nbsp;<em>Ich habe mich danach gesehnt, dieses Mahl mit euch zu feiern<\/em>, sagt er. Es scheint zu einem guten Abschied zu geh\u00f6ren, das, was war und was wir verlassen, noch einmal zu umarmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das, was war, ver-danken<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir einander verabschieden, sagen wir: &#8220;Danke f\u00fcr deinen Besuch&#8221; oder &#8220;Danke f\u00fcr die sch\u00f6ne Zeit&#8221;, oder am Telefon: &#8220;Danke f\u00fcr den Anruf.&#8221; Im Grunde wissen wir, dass Danken zum Abschied geh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Jesus von seinen J\u00fcngern Abschied nimmt, dankt er seinem Vater f\u00fcr sie:&nbsp;<em>Vater, ich danke dir f\u00fcr die, die du mir gegeben hast.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine gute Gewohnheit, an Silvester oder am Geburtstag, wenn man sich von dem vergehenden Jahr verabschiedet und ein neues beginnt, noch einmal dankbar zur\u00fcckzudenken an das, was gut war. Das kann man sich aufschreiben unter der Frage: Wof\u00fcr kann ich danken? Und man wird staunen, wie viel da zusammenkommt. Um wie viel leichter f\u00e4llt es weiterzuziehen, wenn man es vers\u00f6hnt und dankbar tun kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ist das, wenn wir von einem Verstorbenen Abschied nehmen? Danken wir f\u00fcr sein, f\u00fcr ihr Leben? Wo und wie tun wir das? Im Gottesdienst beten und danken wir ganz bewusst f\u00fcr das Leben der Verstorbenen. Beim Abschied von meinem \u00e4ltesten Bruder wurden wir vom Pfarrer aufgefordert, auf dem Weg zum Grab in der Stille f\u00fcr das zu danken, was uns mit ihm verbunden hat und was er uns bedeutet hat. Das war hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir der Dankbarkeit richtig Raum geben, dann leuchtet der Abschied &#8211; wie ein See in der Abendsonne.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie ist das, wenn wir einmal Abschied nehmen m\u00fcssen von dieser Welt &#8211; werden wir es dankbar tun k\u00f6nnen? Der j\u00fcdische Schauspieler&nbsp;<em>Ernst Ginsberg<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>schrieb kurz vor seinem Lebensende folgendes Gedicht:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nun wird es Zeit zu danken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>eh Herz und Auge bricht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>f\u00fcr alle Gottesgaben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>f\u00fcr Leben, Luft und Licht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu danken f\u00fcr die Eltern<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>die mir in dieser Welt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>die blinden Kinderf\u00fc\u00dfe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>auf graden Weg gestellt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu danken f\u00fcr die Freundschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>die mir zur Seite ging<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>und oft mit starken Armen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>den Taumelnden umfing<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu danken f\u00fcr die Liebe,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>die ich so oft verriet:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>sie aber sang, die treue<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>das ew&#8217;ge Lebenslied.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu danken f\u00fcr die Freuden:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie war die Welt so sch\u00f6n<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>um staunend voll Entz\u00fccken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>von Gl\u00fcck zu Gl\u00fcck zu gehn.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zu danken f\u00fcr die Tr\u00e4nen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>des Lachens wie der Not:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>die Not, ach, bittre Speise<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>das Lachen gut wie Brot.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Mann, der von schwerer Krankheit gezeichnet im Sterben liegt, nimmt Abschied mit Dank auf den Lippen. Das ist ein gutes Abschiednehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das, was war, Gott zur\u00fcckgeben<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein guter Seelsorger sagte mir einmal: Man muss die Toten nicht&nbsp;<em>los<\/em>lassen. Das k\u00e4me denen, die sie lieben, wie Verrat vor. Aber man kann sie Gott&nbsp;<em>\u00fcber<\/em>lassen. Unsere Lieben seinen H\u00e4nden \u00fcberlassen, dort sind sie bestens aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Schweiz sagen wir, wenn wir uns von jemandem verabschieden: A dieu. Das hei\u00dft w\u00f6rtlich: hin zu Gott, sei Gott anbefohlen. Ist das nicht sch\u00f6n?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jahr, das hinter uns liegt: Adieu&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Es hin zu Gott bringen, ihm \u00fcberlassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Adieu&#8230; liebe Eltern! Ich lege euch Gott ans Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>Adieu&#8230; Kinder. M\u00f6ge Gott f\u00fcr euch sorgen, wenn ich es nicht mehr kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn im Alten Testament Abschied genommen wurde, hat man einander gesegnet, das hei\u00dft: Gott sei mit dir und wache \u00fcber dich!<\/p>\n\n\n\n<p>Adieu &#8211; hin zu Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Und Jesus &#8211; noch am Kreuz betet er f\u00fcr die, die ihm Unrecht getan haben: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Adieu &#8230; Schuld &#8211; hin zu Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Das, was wir zur\u00fccklassen m\u00fcssen, noch einmal umarmen, daf\u00fcr danken und Gott zur\u00fcckgeben, es in seine treuen H\u00e4nde legen &#8211; so kann man im Frieden Abschied nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Danke, Herr, f\u00fcr dieses Licht, das du uns in unsere Abschiedsdunkelheit gestellt hast. Danke, dass wir dir danken d\u00fcrfen f\u00fcr das, was war, und dir zur\u00fcckgeben, was du uns auf Zeit geliehen hast. Wir wissen, mit jedem Abschied kommen wir unserem ewigen Zuhause n\u00e4her. Bleibe bei uns am Ende dieses Tages, am Ende unseres Lebens und am Ende der Welt. Amen<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.ojc.de\/salzkorn\/2008\/abschied\/dank-segen\/\">https:\/\/www.ojc.de\/salzkorn\/2008\/abschied\/dank-segen\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen letzten Tagen vor meinem Abschied hier als Pfarrer ist mir dieser wunderbare Artikel in die H\u00e4nde gefallen. Gesegnetes Lesen und ein gutes Abschiednehmen und Weitergehen w\u00fcnsche ich uns allen. 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