{"id":10840,"date":"2018-12-11T18:49:46","date_gmt":"2018-12-11T17:49:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/?p=10840"},"modified":"2023-01-02T10:34:55","modified_gmt":"2023-01-02T09:34:55","slug":"darfs-ein-bisschen-mehr-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/2018\/12\/darfs-ein-bisschen-mehr-sein\/","title":{"rendered":"Darf&#8217;s ein bisschen mehr sein?"},"content":{"rendered":"<p>Da sagt man doch &#8220;ja&#8221;, auch wenn man es eigentlich gar nicht wollte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Leben scheint uns oft diese Frage zu stellen: Geht da nicht noch was? Kann man da nicht noch mehr und etwas Besseres machen? Soll das so etwa schon gen\u00fcgen? Schau was andere auf die Beine stellen, was da alles noch m\u00f6glich ist! Instagram und andere mediale Plattformen zeigen, was und wie man alles erreichen kann. Wir m\u00fcssen nur wollen! Und da sind wir wieder am Ausgangspunkt: Woll(t)en wir das eigentlich?<\/p>\n<p>Wenn man die Menschen fragt, was ihnen in ihrem Leben wichtig ist, so sind die Antworten oft sehr \u00e4hnlich: Familie, Freunde, Gesundheit, Sicherheit, Frieden, Glaube,&#8230;. Alles durchaus so gemeint und ehrlichen Herzens. Aber das Leben dieser Menschen spricht oft eine ganz andere Sprache: Es gibt st\u00e4ndig etwas, das gerade dringend getan werden muss. Anfragen und M\u00f6glichkeiten ohne Ende. Und am Ende des Tages bleibt dann einfach keine Zeit und Kraft mehr f\u00fcr das, was wichtig ist. Die Kinder m\u00fcssen funktionieren, der Partner bitte auch, Krankheiten werden als st\u00f6rend empfunden und mit Medikamenten unterdr\u00fcckt, die Zeit mit GOTT komprimiert. Und die leisen T\u00f6ne von K\u00f6rper, Seele und Menschen werden \u00fcberh\u00f6rt, man kommt nicht \u00fcber ein Gespr\u00e4ch zwischen &#8220;T\u00fcr und Angel&#8221; hinaus. Was f\u00fcr einen Gro\u00dfteil unserer Mitmenschen durchaus ausreichend ist, f\u00fcr eine echte Beziehung zu GOTT, uns selbst und anderen aber zu wenig. Die brauchen Zeit und (Frei)raum. Doch das wird beides aufgefressen, von Dingen, die sichtbarer und lauter sind. Man hilft, wo man gefragt wird, k\u00fcmmert sich um dieses und jenes, ist sehr besch\u00e4ftigt und immer im Stress. In der Weihnachtszeit nimmt das oft groteske Z\u00fcge an und ich frage mich, f\u00fcr wen man das eigentlich macht und ob das wirklich Sinn der Weihnachtszeit ist. Eigentlich ist der Advent ja eine Fastenzeit und ich sp\u00fcre eine Sehnsucht in mir nach Weniger von allem, besonders jetzt. Weniger Machen, mehr Sein. Ich sehne mich danach, dass alles wieder den Platz bekommt, den es verdient. Elefanten wieder zu M\u00fccken werden. Die gro\u00dfen, aufgebauschten Dinge sind letztenendes doch oft die Unwichtigsten. Wie Johanna Kl\u00f6pper so treffend schreibt:<\/p>\n<p><strong>&#8221; Richtig ist oft klein, leise und unscheinbar.&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Und deshalb so unattraktiv, wird schnell vergessen und als erstes weggelassen, wenn es eng wird. Weil es ja auch kaum jemand bemerkt. Und man rennt lieber weiter, um allen anderen Dingen und Anforderungen gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Leute, ich mach da nicht mehr mit! Wir haben dieses Jahr zu fast allem &#8220;Nein&#8221; gesagt, au\u00dfer zu wichtigen Terminen der Kinder, und das erste Mal seit vielen Jahren empfinde ich die Adventszeit als stimmig mit ihrer Bedeutung.<\/p>\n<p>Und was f\u00fcr den Advent gilt, will ich auch im \u00fcbrigen Jahr leben: Entr\u00fcmpeln, Aussortieren, Wichtiges vom Unwichtigen trennen, Freir\u00e4ume schaffen. Ich bin es leid, immer mitzurennen, besch\u00e4ftigt zu sein, aber meine eigentlichen Priorit\u00e4ten und Berufungen deshalb nicht leben zu k\u00f6nnen. Es st\u00f6rt mich, dass das Menschliche selbst in unserer Gemeinde so hinten ansteht, weit hinter all den Dingen, die getan und bedacht werden wollen. Es wird so immens viel Kraft in Veranstaltungen, Vorhaben und Traditionen gesteckt, die Anspr\u00fcche werden immer gr\u00f6\u00dfer, es wird immer mehr gemacht, dabei gleichzeitig an allem Bestehenden festgehalten, w\u00e4hrend die Schultern, die das tragen, immer weniger werden und \u00e4lter. Friede und Freude gehen verloren, nur (Eier)kuchen gibt&#8217;s immer mehr als genug.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Kirche als Institution hat das erkannt und beschlossen, dass eine Reform n\u00f6tig ist, weil es einfach viel weniger Mitglieder gibt, die unm\u00f6glich alles Bestehende am Laufen halten und die (auch finanziellen) Lasten tragen k\u00f6nnen. Die Rechnung geht nicht mehr auf. Nun \u00fcberblicke ich nicht alle Folgen dieser Reform und einige m\u00f6gen schmerzhaft sein, aber es ist un\u00fcbersehbar notwendig. Es ist eine Chance, unser Gemeindeleben endlich einer gesunden Realit\u00e4t anzupassen, alte Strukturen zu hinterfragen und aufzubrechen, zu schauen, was wollen wir behalten und was war lange Zeit n\u00fctzlich, kann jetzt aber (Neuem) Platz machen. Es ist eine Chance, endlich Unwichtiges und Festgefahrenes loszulassen und somit Freir\u00e4ume f\u00fcr Wachstum zu schaffen. Leider sind die mir bekannten Reaktionen das totale Gegenteil. Es wird gejammert und geklagt. Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Ver\u00e4nderungen werden kommentiert mit : &#8220;Das w\u00e4re der Anfang vom Ende!&#8221;<\/p>\n<p>Nein, der Anfang vom Ende ist es, wenn alles so bleibt. Wachstum kann nur passieren, wo Freir\u00e4ume geschaffen werden und Ver\u00e4nderung willkommen ist. Ein zartes neues Pfl\u00e4nzchen braucht Platz und Licht und Liebe um zu gedeihen. Das ist momentan nicht m\u00f6glich, alles ist zugewachsen. &#8220;Gewachsene Strukturen ist eine besch\u00f6nigende Formulierung f\u00fcr Stillstand&#8221;, hab ich neulich gelesen. Und Stillstand verhindert n\u00f6tige Neuausrichtungen.<\/p>\n<p>Wir sollten uns als Christen und als Gemeinde einmal fragen: Was ist eigentlich unser Auftrag? Was ist uns wichtig? Sind es die gro\u00dfen und kleinen Veranstaltungen und Kreise, ist es ein sch\u00f6n hergerichtetes Geb\u00e4ude und Kirchengrundst\u00fcck? Ein &#8220;ordentlicher&#8221; Friedhof? Wof\u00fcr wollen wir unsere Zeit und Kraft haupts\u00e4chlich einsetzen? Wof\u00fcr wollen wir als Gemeinde stehen? Und zuallererst: Was m\u00f6chte GOTT?<\/p>\n<p><strong>GOTT schreit nicht<\/strong><\/p>\n<p>Wenn all die Zeit und Kraft, die in die gro\u00dfen Events im letzten Jahr geflossen sind, in Menschen investiert worden w\u00e4ren, welch einen nicht zu ermessenden Segen h\u00e4tte das bewirkt. Menschen zu begleiten -unabh\u00e4ngig von ihrer Kultur, Religion oder Lebensweise-, ihre Not zu sehen und sie aus der Beziehung heraus vielleicht zu JESUS f\u00fchren zu k\u00f6nnen, das ist unser Auftrag. Die Menschen dort abholen, wo sie sind, Leben mit ihnen zu teilen, ihnen GOTTes Liebe weiterzugeben, das w\u00e4re um sovieles besser als aufw\u00e4ndige Evangelisationen zu stemmen und Riesenfeste zu feiern. Wobei zumindest das eine eine gute Sache ist, wenn viel Kraft und Zeit \u00fcbrig w\u00e4ren. So ist es aber nicht. Jeder ist bis zum Rand verplant und hat im Grunde keine Kapazit\u00e4ten. Und wieder mal leidet das Wichtigste: Familie, Freunde, Gesundheit, Glaube,&#8230;.. Denn auch der Glaube braucht nicht in erster Linie christliche Veranstaltungen, sondern Zeit und Raum. GOTT schreit nicht, sondern redet leise, da muss es mal still sein in uns und um uns.<\/p>\n<p>Das Gleichnis von Maria und Martha kennt jeder, der Aussage stimmen alle zu und ihre Wichtigkeit wird sehr gern betont, aber ich treffe so selten eine Maria! Besonders in unseren Gemeinden. Es gibt so wenige! Weil es enorm viel Kraft und Willensst\u00e4rke erfordert, die Ruhe sich zu bewahren. Man muss st\u00e4ndig &#8220;Nein&#8221; sagen und erntet Unverst\u00e4ndnis und Missbilligung, wie Maria. Man muss unweigerlich Leute und Erwartungen entt\u00e4uschen. Es w\u00e4re kurzfristig<span style=\"line-height: 1.5;\">&nbsp;leichter, mit dem Strom zu schwimmen und mitzumachen. &#8220;Das aktive Leben kann gleichzeitig das passivste sein. Man wird einfach mitgezogen, getragen, herumgeworfen, fortbewegt.&#8221; (Thomas Merton). Genau so ist es. Aber wir alle haben nur ein Leben. Ich habe nur ein paar Jahre, meine Kinder zu begleiten und zu pr\u00e4gen mit einem Leben, hinter dem ich stehe, einer Ehe, aus der sie f\u00fcr ihre eigene sp\u00e4ter lernen k\u00f6nnen und einem Frieden aus der Beziehung zu GOTT, den sie sp\u00fcren und erleben. Daf\u00fcr will ich meine Zeit und Kraft investieren. Das gelingt mal besser und mal schlechter, ist aber jede Anstrengung wert. Weil es nachhaltig ist, einen bleibenden Wert schafft und \u00fcber mein eigenes Dasein hinausgeht, sowohl im hier und jetzt als auch in der Ewigkeit.<\/span><\/p>\n<p>Es braucht Freir\u00e4ume und Ruhe, um GOTTes Reden zu h\u00f6ren, auf der richtigen Spur zu bleiben und herauszufinden, was ER sich mit meiner kleinen Existenz so gedacht hat. Ich m\u00f6chte nicht vor lauter ToDo&#8217;s meine Berufung vers\u00e4umen. Wir sind als Licht f\u00fcr die Welt gedacht, so steht es in der Bibel. Es ist nicht unsere prim\u00e4re Bestimmung, eine m\u00f6glichst gut laufende Gemeinde mit vielen Angeboten zu sein. Wir drehen uns so sehr um unsere eigene kleine Kirche, das f\u00fcr die Welt kaum Energie und Interesse \u00fcbrig ist. Das sp\u00fcren die Leute und manche haben es schon bitter erfahren m\u00fcssen. Genausowenig interessiert sich die Welt deshalb f\u00fcr die Kirche und damit f\u00fcr GOTT. Es liegt an uns! Mal schnell vor ProChrist Leute einladen, ist deshalb vergebliche M\u00fche und falsch gedacht. Wir sollen in der Welt leuchten und nicht warten, dass die Welt zu uns kommt. Das wird so nicht passieren. Und es ist verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Es gibt ein sch\u00f6nes Bild, dass ich mit in&#8217;s neue Jahr nehmen m\u00f6chte: Wir sollten unser Leben als eine Schale begreifen und nicht als einen Kanal. Eine Schale ahmt die Quelle nach. Sie l\u00e4sst sich f\u00fcllen bis zum Rand und l\u00e4uft dann \u00fcber, wird zum Fluss und schlie\u00dflich zur See. Wenn eine Gemeinde sich auf ihre wahre Bestimmung besinnt, ist sie ein Licht in der Welt, sie braucht nicht viel zu tun oder laut zu rufen, um auf sich aufmerksam zu machen. Jeder kann das Licht von selbst als solches erkennen.<\/p>\n<p>Ich will mich an die Quelle halten, mich f\u00fcllen lassen und darauf vertrauen, das GOTT dann etwas wachsen lassen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da sagt man doch &#8220;ja&#8221;, auch wenn man es eigentlich gar nicht wollte.<\/p>\n","protected":false},"author":32,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-10840","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-glaube"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10840"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/32"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10840"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10855,"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10840\/revisions\/10855"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kirche-obercrinitz.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}